Über Wolf sieht fern

Das Webtagebuch für Freunde des dokumentarischen Films folgt einem alten Wunsch: Dass Menschen, die gerne dokumentarische Filme sehen, sie auch finden, sei es im Fernsehen, sei es im Kino. Das gelingt aber sehr oft nicht. Viele Leute wissen nicht, wo sie ausgestrahlt oder aufgeführt werden. Viele wissen gar nicht, dass es sie gibt. Dabei ist Dokumentarfilm eine Gattung, die so reich an Erzählweisen und Formen ist wie keine andere Gattung. Aber im Fernsehen verschwinden Dokumentarfilme unter der Fülle der Programme. Ohnehin werden sie immer zu spät ausgestrahlt und die Sender tun nichts, um ihre Zuschauer darauf hinzuweisen. In den Kinos halten sie sich oft gerade eine Woche und kaum hat man es sich versehen, läuft schon wieder anderes Programm.

In diesem Sinne will „Wolf sieht fern“ mit bescheidenen Möglichkeiten Abhilfe schaffen. Ich verweise einmal wöchentlich auf interessante Dokumentarfilme im Voraus, vor allem im Fernsehen, aber auch im Kino. Dabei geht es natürlich auch um neue Produktionen, aber nicht immer ist das Neueste auch das Interessanteste. Das Fernsehen versenkt so manchen Programmschatz in den Tiefen der Nacht oder parkt ihn ohne öffentliche Wahrnehmung in den Digitalkanälen. Manche Filme werden oft wiederholt, mal hier, mal da, ohne System  und ohne dass noch jemand durchblickt. Dabei erreichen manche Dokumentarfilme grade durch die Wiederholungen eine Zuschauerschaft, mit der so manche schnell verglühende Unterhaltungssendung glücklich wäre.

Die Auswahl richtet sich also nicht nach dem Programmschema, nicht nach der Primetime, schon gar nicht nach der Quote. Nur die Qualität zählt. Wir haben inzwischen mehrere Möglichkeiten, unabhängig von den festen Schemata das zu sehen, wonach uns der Sinn steht. Die meisten Filme stehen noch sieben Tage in den Mediatheken. DVD-Rekorder, Festplattenrekorder in manchen Kabelangeboten oder virtuelle Rekorder in der Cloud erlauben es, sich vom Programmschema unabhängig zu machen. Zugegeben: Dokumentarfilme sind oft anspruchsvoll. Man kann sie nicht nebenbei oder beim Bügeln sehen. Am besten sieht man sie ohnehin mit anderen gemeinsam.

Natürlich können die Hinweise im Webtagebuch nicht komplett sein. Die Auswahl an Dokumentarfilmen ist subjektiv und positiv und auch eingeschränkt durch die Fülle des Angebots. Nach Möglichkeit will ich Filme vorstellen, die ich selbst kenne. Das funktioniert nicht immer, dann läuft die Vorschau eben unter Vorbehalt. Über Facebook und Twitter wird „Wol sieht fern“ auch noch mal kurzfristig auf interessante Sendungen hinweisen.

Es geht auch nicht einfach nur um Hinweise und Vorschau. Das Webtagebuch soll Filme einordnen und Zusammenhänge herstellen, im Programm, werkbezogen oder auf die Autoren bezogen. Wer Informationen vertiefen will, findet zu den jeweiligen Filmen Links etwa zu den Produktionsfirmen und auf dieser Seite nach Möglichkeit auch eine Kritik, die ihren Zweck vielleicht erst in der nachträglichen Lektüre findet. Durchaus ihren Platz finden können auch allgemeinere Themen, kurze medienpolitische Informationen und Reflexionen, insofern sie für dokumentarisches Arbeiten von Bedeutung sind.  Und wenn sich mit einzelnen Beiträgen eine Diskussion anzetteln lässt, umso besser.

Die Schreibweise im Webtagebuch soll nicht dem Duktus üblicher Fernsehkritiken gleichen. Sie ist diskursiv angelegt und durchaus auch fragmentarisch. Sie kann Überlegungen zum dokumentarischen Arbeiten enthalten, Zitate, Skizzen, Notate. Sie kann vielleicht Auszüge aus anderen Kritiken kritisch dazustellen, Interviewpassagen oder Preisbegründungen – alles, was hilft, Filmen und Filmemachern zu jener Aufmerksamkeit zu verhelfen, die sie verdienen.

Nicht zuletzt will „Wolf sieht fern“ damit auch einen kleinen Beitrag dazu leisten, höhere Ansprüche an die öffentlich-rechtlichen Sender zu stellen und es ihnen auf Dauer nicht durchgehen zu lassen, Programmqualität irgendwie zu versenden.

Autor des Blogs: Fritz Wolf, Fernsehkritiker, arbeitet für epd-medien, message und für Radio, langjährig Mitglied in Juries des Grimmepreises. Der Name des Webtagebuchs geht auf eine Kolumne zurück, die seit einigen Jahren in der Zeitschrift „message“ erscheint und sich vor allem mit Fernsehjournalismus befasst.

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