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„Amma und Appa“. Von Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian

Franziska und Jay wollen heiraten. Sie stammt aus Bayern, er aus Indien. Und die Eltern sollen das auch noch für gut befinden. Da scheint der cultural clash programmiert. (BR, Mi 14.02.2018, 22.45 – 00.15

Amma und Appa, das heißt Mama und Papa auf tamilisch. Die Eltern von Jay, dem indischen Grafikdesigner haben ein Jahr lang ignoriert, dass ihr Sohn sich in eine weiße Frau aus Bayern verliebt hat. Also wird ein Treffen arrangiert. Erst kommt Franziska in das indische Dort Cuddalore, die Atmosphäre in der Familie ist freundlich, aber gespannt. Die Eltern wollen die künftige Schwiegertochter nicht akzeptieren. Sie haben eine arrangierte Ehe auf tamilisch geplant.

Dann sollen sich auch die Eltern kennenlernen. Familie Schönenberger reist nach Indien, mit Lederhose und Dirndl im Gepäck und einer umfänglichen Reiseapotheke. Alle bemühen sich. Die Subramanians kaufen einen Esstisch, damit die Fremden nicht im Schneidersitz essen müssen und lassen eine europäische Sitztoilette ins Badezimmer einbauen. Die Schönebergers bringen bayrische Lebkuchenherzen mit, einen Grill und Material für einen familiären Videoabend. Entgegen allen Befürchtungen verstehen sich die Eltern ganz gut, man spricht ein etwas reduziertes Englisch, Frau Schöneberger probiert einen Sari und man teilt die Sorgen um die Kinder. Eltern sind sich gleich.

„Amma und Appa“ ist ein autobiographischer Dokumentarfilm der beiden Autoren, wobei Franziska ganz offensichtlich in jeder Hinsicht die Regie führt, auch als Filmerzählerin, während der offenbar stillere Jay die Animationen beisteuert. Sie vor allem scheint den Film als Medium ihrer eigenen Auseinandersetzung zu benutzen. Die Kamera dient dabei als doppelter Schutz. Für die Autorin, der sie eine gewisse Distanz im eigenen Befinden verschafft und für die tamilischen Eltern, weil sie damit eine Ausrede für die Nachbarschaft haben: so fragen die Leute nicht näher, was die junge weiße Frau da soll, sie dreht eben einen Film. Darüber hinaus aber reflektieren die beiden Autoren nicht, wie die Kamera die Situation verändert. Der Film kommt fast ein wenig naiv daher in seiner persönlich-direkten Tagebuchform.

Man kann „Appa und Amma“ auf zweierlei Art lesen. Einmal als eine amüsante Geschichte darüber, wieviel Komik drin steckt, wenn zwei Kulturen aufeinander knallen. Das manchmal charmant erzählt, manchmal lustig, manchmal sehr erwartbar und in seiner Privatheit manchmal auch zu privat: so genau will man es dann doch nicht wissen.

Andererseits sind da die Konflikte hinter der Familienzusammenführung. Davon erfährt man nicht aus den Bildern, sondern aus Worten: aus den Interviews mit den Eltern. Da fallen harte Worte. „Seit Du Dich für eine Liebesheirat entschieden hast, haben wir alles verloren“, sagt Jays Mutter. Ihr Lebensmodell sah vor, dass Amma und Appa die Ehe arrangieren, der Sohn mit seiner Frau bei den Eltern bleibt und für sie im Alter sorgt. Dass dieses Modell nicht aufgeht, dieser Schmerz bleibt für sie unaufhebbar. Es kommen auch einige Überraschungen zu Tage. So erfährt Jay, dass seine Mutter eigentlich auch zunächst gegen die Tradition opponiert hat und Franziska hört zum ersten Mal, dass ihre Eltern selbst eine Vernunftehe eingegangen sind, die der arrangierten tamilischen Ehe ähnlicher sieht als man so denkt.

Eine Szene freilich unterläuft diesen kulturellen Relativismus. Eine tamilische Hochzeit im Dorf, klassisch-traditionell arrangiert, das Brautpaar hat sich vorher kaum gesehen. Franziska Schönenberger fällt die Braut auf, ‚“sie wirkt seltsam abwesend“ und wie unter Zwang, nichts falsch zu machen. Man möchte danach doch lieber nicht mehr den Begriff „arrangierte Ehe“ benutzen, sondern den der Zwangsheirat. Und das wäre dann gar nicht mehr amüsant.

„Amma und Appa“ Von Franziska Schönenberger und Jayakrishnan Subramanian, BR, Di 03.03.2015, 22.45-00.15 Uhr

www.ammaandappa.com

 

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