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Glaubenskrieger. Von Till Schauder

Dass Muslime nicht gleich Muslime sind, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Der Film mit dem etwas irritierenden Titel „Glaubenskrieger“ zeigt eine Gruppe junger Muslime, die gegen Gewalt protestieren und einen aufgeklärten Islam fordern.(SWR, Do 15.02.2018, 23.45-01.10)

Der Filmemacher Till Schauder begleitet eine kleine Gruppe junger Muslime bei ihren Kunstaktionen in Düsseldorf. Sie protestieren mit Straßenaktionen dagegen, dass die Muslimverbände sich nicht dezidiert von der Gewalt distanzieren, die im Namen des Islam ausgeübt wird. Zugleich fordern sie einen aufgeklärten, modernen Islam. Der Glaubenskrieg, den sie führen, ist also einer gegen Gewalt, ein friedlicher Krieg, ein Krieg durch Performance, eine Art Straßentheater mit aufklärerischem Impetus. Ein Kampf auch für ein friedliches Miteinander der Religionen, wie der nicht leicht verständliche Name der Gruppe zeigt: 12th Memorise. Eine Anspielung auf: 12 Stämme Israels, 12 Apostel und die 12 Imame. Und dass sie Friedliches im Sinn haben, zeigen auch ihre ständigen Versuche, mit Gesprächen etwas zu erreichen, sogar mit rechten Pegida-Anhängern.

Die spektakulären Aktionen blieben nicht erfolglos, sie hatten zunächst vor allem Wirkung im Internet. Die Aktion, in der sie in der Fußgängerzone in Essen eine Erschießung von Gefangenen durch den IS nachstellten, hatte im Netz 120. 000 Aufrufe und wurde dort auch heftig diskutiert. Vor allem aber haben die Aktionen Wirkung in die muslimische Gemeinde selbst. Als die Gruppe die Verbände aufforderte, dezidiert gegen Gewalt und Terror aufzutreten, wurden sie von einem religiösen Vertreter als „Verräter“ gebrandmarkt und bekam einen ordentlichen Shitstorm im Netz, bis hin zu Morddrohungen. Sie zogen erstmal ihre Website zurück, machen aber doch weiter: ein Beispiel für Zivilcourage

Protagonist der Gruppe und damit des Films ist Hassan Geuad, im Irak geboren, Student, Aktivist. Der Autor folgt ihm in seinen Aktionen und bekommt auch die Widersprüche zu fassen. Hassan Geuad kommt aus einem liberalen Elternhaus, er selbst ist in manchen Fragen durchaus konservativ. Sex vor der Ehe etwa kommt für ihn nicht infrage. Der Film zeigt auch die Wandlungen, die Hassan Geuad durchmacht und seinen Mut, sich nicht kleinkriegen zu lassen. Sichtbar werden damit auch die Widersprüchlichkeiten unter den Muslimen selbst.

„Glaubenskrieger“ wurde 2016 Gewinner der ARD-Aktion „Top of the Docs“. Einen besseren Sendeplatz als den üblich späten hat ihm das freilich bei der Erstaufführung im November 2017 auch nicht eingetragen. Und auch der RBB bleibt bei den späten Sendezeiten.

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