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Filmgeschichte, Grundeinkommen, Ostkreuz

Dominik Grafs Dokumentarfilme über deutsche Filmgeschichte, neue Dokumentarfilme im Kino und eine schon länger nicht gezeigte Arbeit über die Fotoagentur „Ostkreuz“, das sind die Höhepunkte in den nächsten beiden Wochen.

Pünktlich zur Berlinale kommen die beiden essayistischen Dokumentarfilme von Dominik Graf und Johannes F. Sievert ins Fernsehern. Arte zeigt „Offene Wunde deutscher Film“ von 2017, der WDR „Verfluchte Liebe deutscher Film“ von 2016.

In „Verfluchte Liebe deutscher Film“ suchen die Autoren nach vergessenen und missachteten Schätzen des deutschen Films. Die SZ schrieb damals: „Schaut man genauer, wie Graf und Sievert es tun, entdeckt man exotische Lüste und brodelnde Begierden eher im Kino der Fünfzigerjahre, eine Art neue Wohlstandsgeilheit, eng verknüpft mit dem Wunsch nach Verdrängung der Vergangenheit. ‚Waren die Oberhausener,‘ fragt Graf, ‚eher wie Jugendliche, die sich vor dem Sex ihrer Eltern ekelten?‘ Auch diese Filmgeschichte müsste erst noch geschrieben werden.“

„Offene Wunder deutscher Film“ ist die Fortsetzung dieser Recherche nach dem verlorenen deutschen Kino. Dazu schrieb die SZ: „Die Fragen, die Graf und seine Mitstreiter aus der Vergangenheit entwickeln, sind recht aktuell: Weshalb gibt es in Deutschland kaum noch Genrefilme? Wieso finden sich dafür keine Sender und Förderer? Und warum legen die Macher nicht einfach los?“

Sendetermine: „Offene Wunde deutscher Film“ (Arte, Mi 14.02.2018, 21.35-23.05“; WDR, 05.03.2018, 23.20 – 00.50 Uhr). Verfluchte Liebe deutscher Film“ (WDR, Mo 19.02.2018, 23.20-00.50)

Zwei neue Dokumentarfilme im Kino machen neugierig. „Playing God“ von Karin Jurschik porträtiert den Anwalt Kenneth Feinberg, dessen Aufgabe es ist, nach Katastrophen und Unglücksfällen zu berechnen, wieviel Geld die Opfer und die Erben der Opfer bekommen. Die ZEIT schrieb: „Jurschik lässt ihre Zuschauer nicht erkennen, was sie von Feinberg hält. Man muss sich selbst ein Urteil bilden, während man den Anwalt mit der Regisseurin in seiner Kanzlei und zu Hause besucht, ihn selbst, seine Frau, berufliche Weggefährten, Hinterbliebene und Kritiker über seine Arbeit sprechen hört und Archivmaterial von früheren Fällen sieht.“. Seit dem 08.02.2018 in den Kinos.

Bereits seit dem 01.02.2018 in den Kinos ist „Mein Großvater Salvador Allende“ von der Enkelin Marcia Tambutti Allende. Eine Spurensuche, über die Hollywood Reporter schrieb. „Der Film ist ein wenig zu lang und zuweilen gleitet er ab in eine Art Psychoanalyse der Regisseurin und ihrer verschlossenen Familie, was teilweise schwerfällig wirkt. Großes Interessen wecken die vielen bisher unveröffentlichten Fotos und Heimaufnahmen. Das resultierende Portrait Allendes zeigt einen liebenden und liebenswerten Patriarchen, der mehr für die Politik lebte, als für seine Familie.“

Gleichfalls seit dem 01.02. in einigen Kinos zu sehen ist „Free Lunch Society“ von Christian Tod, einem großen filmischen Rundumschlag zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen. Sehr informationsdichter Bewegungsfilm

Arte hat am Dienstag, den 13.02.2018 zwei Schwerpunkte. Erst aus aktuellen sportpolitischen Gründen zwei Dokumentationen über Doping und über die FIFA-Familie. Danach einen Schwerpunkt zum Spanischen Bürgerkrieg. Dabei besonders interessant „Die Klage gegen die Franco-Diktatur von Lucía Palacios und Dietmar Post. Eine Aufarbeitung der bisher in Spanien ausgebliebenen Aufarbeitung der Verbrechen der Franco-Diktatur. Wir werden auf den Film noch näher eingehen. Am Dienstag, den 20.02.2018 hat Arte einen Themenabend über Kindesmissbrauch programmiert.

Aus den Wiederholungsschleifen des Fernsehens herausgefischt hat wolfsiehtfern einige Dauerläufer wie „12 Tage, 12 Nächte in Damaskus“ (tagesschau 24, 20.15-21.00) , „Am Kölnberg“ (Phoenix, 12.02.2018, 00.15-0140),  und „Glaubenskrieger“ (SWR, Do 15.02.2018, 23.45-01.10). Im Anschluss daran „Die letzten Männer von Aleppo“ (01.10-02.40). Die deutsch-indische Liebes- und Integrationsgeschichte „Amma und Appa“ hat der BR auf seinem Dokumentarfilmplatz programmiert (Mi 14.02.2018, 22.45-00.15). Der MDR strahlt im Nachklapp zum Auschwitz-Erinnerungstag noch einmal „Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen“ (MDR, so 18.02.2018, 23.10. – 00.40). Und der HR hat auf seinem absurden Sendeplatz Sonntags nach Mitternacht den schönen Film „Heimat Fußball – Refugee 11“ ins Programm genommen.

Schon länger nicht zu sehen und sehr sehenswert ist die Dokumentation von Maik Reichert über die Fotoagentur „Ostkreuz“, die sich ein Vorbild an Magnum genommen hat. Ein Film, der vor allem auch interessant ist wegen der ästhetischen und politischen Positionen der Macher, die hier zu Wort kommen: „Ostkreuz – Agentur der Fotografen“ (Arte Mo, 12.02.2018, 01.50-02.45)

Und was sonst an interessanten Dokumentarfilmen läuft, findet sie, wie immer ohne jede Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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