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Künstler, Präsidenten, Coaches

Feiertage und Weihnachtsmärchen sind auch vorüber gegangen. Die Neujahrswünsche, die Sender mögen dem Dokumentarfilm doch endlich wieder bessere Sendezeiten zugestehen, seien hier erneuert – obwohl wenig Hoffnung besteht, dass sie erhört werden. wolfsiehtfern tut sein Bestes, dass die einschlägigen Filme wenigstens entdeckt werden können.

Schon im Dezember kam ein Film in die Kinos, der einigen bekannt vorkommen dürfte. Jedenfalls der Protagonist. Thomas Riedelsheimer ist noch einmal, nach 17 Jahren, mit dem Landart-Künstler Andy Goldworthy auf Dreh gefahren. Herausgekommen ist der Film „Leaning in the wind„, den man sich unbedingt im Kino anschauen sollte – dem Film lässt sich eine langsame, aber kontinuierliche Arthouse-Karriere prognostizieren. Kinotermine unter https://www.leaning-into-the-wind.de/

Wer es mit Präsidenten hat, dem lieferte Arte an einem Themenabend am 16.01.2018 das nötige Material. Erst ein Zweiteiler „Putin vs. USA“ des US-Dokumentaristen Michael Kirk. (Di 16.01.2018, 20.15-21.55) Und danach ein spezieller Blick auf Donald Trump, zunächst „Präsident Donald Trump“, noch einmal von Michael Kirk (22.15-23.10) und aus französischer Perspektive. „Trump, mein neuer Präsident“ von David Muntaner (23.10-00.10)

Aus den Wiederholungsschleifen des Fernsehens herausgefischt hat wolfsiehtfern diesmal als besondere Empfehlung „Leben – Gebrauchsanleitung“ von Jörg Adolph und Ralf Bücheler, den 3Sat auf den Montags-Dokumentarfilmplatz gesetzt hat. Die Filmemacher gehen dem Trend nach, das Leben als eine einzige Coachingzone zu betrachten, als eine Abfolge von Ereignissen, auf die man sich in jedem Fall hintrainieren muss. Falls sich jemand mit seinen Gewohnheiten in diesem Film wiederfindet, dürfte das jedenfalls beabsichtigt sein. (3Sat, 15.01.2018, 22.25-23.55)

Mit „Zwölf Tage, zwölf Nächte in Damaskus“ zeigt der HR eine Arbeit der Reporterin Roshak Amad, die Strassenkämpfe in Damaskus ganz aus der Nähe beobachten und drehen konnte – ein seltener Einblick in die konkreten Umstände im syrischen Bürgerkrieg, zu gewinnen auf dem absurden Dokumentarfilm-Sendeplatz des HR (So 21.01.2018, 01.30-02.15)

Die ARD tut ja für den Dokumentarfilm immer weniger als sie behauptet, besonders stolz ist sie auf den Wettbewerb „Top of the Docs“, mit dem einmal jährlich herausragende dokumentarische Produktionen ausgezeichnet werden – ein Wettbewerb, für den sich viele Dokumentaristen noch nicht so recht erwärmen konnten, weil das Geld zu wenig und die Bedingungen zu wenig attraktiv sind. 2016 gewann Till Schauder mit „Glaubenskrieger“, den nun der RBB wiederholt, auch zu einer nicht grad arbeitnehmerfreundlichen Sendezeit ( So 21.01.2018, 23.40-01.10). Und die Reportage von einem Kölner Problembezirk, „Am Kölnberg“ von Robin Humboldt und Laurentia Genske, ist bei Phoenix zum nächtlichen Füllstoff geworden, nachdem der Film allerdings zuvor dort auch schon zu besserer Sendezeit gelaufen war ( Mi 18.01.2018, 03.00-04.25).

Und was sonst noch läuft, findet sich, wie immer ohne Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“

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