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Ein beredtes Schulheft, ein schweigsamer Handke und versteckte Bimbes

Einige Highlights finden sich in dieser Woche im Fernsehen, eine bunte Mischung sozusagen, vielleicht ein letztes Aufbäumen vor dem Ansturm der Weihnachtsmärchen. Dazu eine kleine Werkschau von Filmen von Kevin MacDonald auf Phoenix und nicht viel Neues im Kino.

Da ist als erstes und unbedingt empfehlenswert: „Cahier Africain“ von Heidi Specogna auf 3Sat. Der Film lief schon in einigen Kinos, hat schon zahlreiche Preise und wird denen, die ihn schon gesehen haben, lange im Gedächtnis bleiben (3Sat, Mo04.12.2017, 22.25-00.25)

Der Film der Woche, den wolfsiehtfern mal leider wieder nicht geschafft hat, ist „Peter Handke. Bin im Wald, kann sein, dass ich mich verspäte“ von Corinna Belz. Die Autorin hat sich nach Gerhard Richter („Gerhard Richter Painting“) wieder einen großen Unnahbaren der Gegenwartskunst vorgenommen, Peter Handke. Der Film trägt den barocken Titel „Peter Handke. Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte“ und deutet damit schon gewissen Schwierigkeiten und Verschrobenheiten an. In der ZEIT schrieg Georg Seeßlen: „In vielen guten Momenten ist der Film wie eine Handke-Lektüre in filmischer Form. Aber manchmal möchte man auch am liebsten einen Peter-Handke-Text hernehmen und ihn gerade gegen diesen Film lesen. Eher auf der Suche nach der Frechheit und nicht im Regenglanz der edlen Scheu.“ (SWR, 07.12.2017, 23.45-01.15)

„Deportation Class“ von Hauke Wendler und Carsten Rau leistet, was Dokumentarfilme am besten können: genau hinschauen, konkret erzählen. In diesem Fall davon, wie es für Flüchtlinge ist, abgeschoben zu werden. Und zugleich zu zeigen, wie die staatliche Maschine in einem solchen Fall funktioniert. (NDR, Di 05.12.2017, 00.00-01.25)

Dann empfiehlt sich durchaus noch ein Blick auf „Bimbes – Die Schwarzen Kassen des Helmut Kohl“, für den sich zwei Investigativ-Journalisten der ersten Liga zusammengefunden haben, Stephan Lamby und Egmont R. Koch. Zugleich hat auch der Spiegel auch noch mitrecherchiert, weshalb man die Story schon in dieser Woche auch auf print nachlesen kann. Mal sehen, ob das dem Film hilft oder ob es ihn kannibalisiert. Wolfsiehtfern wird diesen Film nach seiner Ausstrahlung besprechen, erstmal kommt die Rezension in epd medien (ARD, Mo 04.12.2017, 22.45 – 00.00 Uhr.

Der HR hat zu seinem späten Dokumentarfilmtermin diesmal „Schlagerland“ von Arne Birkenstock im Programm. Mit „Sound of Heimat“ hatte sich der Regisseur schon einmal an ein Musik-Sujet gewagt, da ging es um die etwas andere Volxmusik. Diesmal hat er sich kopfüber in die Untiefen des deutschen Schlagers gestürzt. Alte Haudegen wie Jürgen Drews, der schon seit gefühlt 100 Jahren im Kornfeld herumliebt oder Roland Kaiser sind dabei, aber auch die 27-jährige Franziska Wiese, die gerade am Anfang einer Schlagerkarriere steht und an der sich schön ablesen lässt, wie das Geschäft funktioniert, wie die Produkte Lied und Interpretin auf den Markt hin gestylt werden. Mit eigener Meinung hält der Autor sich ziemlich zurück, das macht viele Lesarten des Films möglich, eine unkritische ebenso wie eine kritische. Im Spiegel schrieb Christian Buß: „Am spannendsten ist die Dokumentation, wo sie den Schlagerbetrieb an der Schnittstelle zwischen populär und prekär zeigt. Arbeit gibt’s reichlich im Schlagerland, reich werden nur sehr wenige. Malocher bespaßen Malocher.“ (HR, Do 07.12.2017, 00.00-01.30)

Eher ungewöhnlich für Phoenix: der Sender setzt am Samstag, den 09.12.2017 einen Schwerpunkt zu einem Autor, dem britischen Regisseur Kevin MacDonald. Der Autor ist international bekannt und mehrfach preisgekrönt. Für seinen Film über das Attentat bei den Olympischen Spielen in München „Ein Tag im September“ bekam er 1999 den Oskar. Ein kurzes viertelstündiges Porträt des Autors zeigt Phoenix am Samstag, den 09.12.2017 zur bestmöglichen aller Sendezeiten, um 02.15 Uhr. Fernsehen für Nachtwächter. Wenigstens beginnt die Ausstrahlung von zwei seiner Filme noch vor Mitternacht. „Klaus Barbie.   Der Feind meines Feindes“ von 20122, um 22.30 – 23.55. Darauf folgt das sehr schöne Musikerporträt von Bob Marley, „Marley“, 23.55 – 02.15. Dann folgt ab 02.30 „Ein Tag im September“ und um 4.00 morgens „Live in a Day. Ein Tag auf unserer Erde“. Glücklicherweise gibt es Video- und Festplattenrecorder.

Noch bei den Hinweisen verbleiben auf wolfsiehtfern die Texte zur diesjährigen Duisburger Filmwoche, zu „Die Frau mit den fünf Elefanten“ und „10 Milliarden“, beide noch in den Mediatheken.

Und was sonst noch läuft, findet sich, wie immer ohne jede Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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