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Joe Boots. Von Florian Baron

„Joe Boots“ ist Kriegsveteran. Er hat den Irak-Krieg überlebt, aber seelischen Schaden genommen. Was das bedeutet, davon erzählt er in diesem sehr dichten Film von Florian Baron. „Joe Boots“ lief in der 3Sat Reihe „Ab 18!“ und bekam vor kurzem den Hauptpreis des Kinder- und Jugendfilmfestivals doxs, das fester Bestandteil der Filmwoche Duisburg ist.Noch in der Mediathek von ZDF und 3Sat.

Bei Joe Boots kam der Umschlag ins Erwachsenwerden schlagartig durch den Krieg. Im Film steigt er sehr direkt in seine Geschichte ein. Er kommt aus Pittsburgh, Arbeitergegend, sagt er, hier leben die Männer, die, wenn es Krieg gibt, in den Krieg ziehen. Arbeiterklasse eben, sagt er. Er redet und redet, während er durch die Straßen seiner Stadt geht, und je mehr er redet, umso klarer wird seine psychische Situation, werden seine Ängste, seine Traumata. Eine Explosion, sagt er, das sei ein Geschehen wie in Zeitlupe, man sehe jede Einzelheit. Diese Idee hat der Regisseur Florian Baron aufgegriffen. Er schafft zu den Erzählungen des Joe Boots (ein Spitzname übrigens, den ihm Freunde gaben, als er aus der Grundausbildung zurückkam) eine visuelle Welt, die vor allem den inneren Zustand des Protagonisten zugänglich machen will, seine Assoziationen, seine Bildwelten. Das wirkt manchmal ein wenig aufgesetzt, aber man hört beim Schauen nicht auf, auf die Geschichten zu hören „Joe Boots“ ist Teil eines langen Dokumentarfilms „Stress“, in dem Florian Baron von fünf jungen Kriegsveteranen erzählt und der 2018 in die Kinos kommen soll.

 

Auf der Duisburger Filmwoche gewann „Joe Boots“ den Hauptpreis der Kinder- und Jugendfilmfestivals doxs „Große Klappe“, der von einer Jugendjury vergeben wird. Die Jury urteilte:   „Wir wollen einen Film auszeichnen, der höchst aktuelle und brisante Thematiken behandelt. Anhand der Geschichte eines Veteranen werden verschiedene Perspektiven zum Thema Krieg, darunter Aspekte wie die Verherrlichung von Kriegseinsätzen, Kritik am Patriotismus oder der Umgang der Gesellschaft mit Zurückkommenden, aufgegriffen. Der Film beeindruckt mit ästhetisch anspruchsvollen Bildern, die auf überzeugende Art und Weise mit dem Inhalt verknüpft sind. Der Protagonist zeichnet sich durch seine sympathische Erzählweise und ein großes Maß an Reflektiertheit gegenüber der eigenen Geschichte aus. Besonders ist uns der Einsatz von Slow-Motion-Aufnahmen aufgefallen, die einen beinahe surrealen Eindruck vermitteln. Die inneren und äußeren Explosionen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film. Diese sehr ästhetische Darstellung der Konflikte des Veteranen geben dem Film eine besondere dokumentarische Kraft, die uns berührt und vollkommen überzeugt hat.“

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