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Vietnam, Guatemala, Iran

Diesmal über zwei Wochen hinweg – Tips und Hinweise auf interessante Dokumentarfilme,  neu oder in Wiederholung. Es fällt auch diese Woche wieder auf: neue Filme sind im Fernsehen selten geworden. Da wolfsiehtfern in dieser Woche etwas spät dran ist, läuft auch die Empfehlung für „Raving Iran“ ein wenig ins Leere. Aber immerhin gibt es die Mediathek, da kann man den Film noch nach-sehen. Er erzählt von jungen Ravern im Iran, die illegal ihrer Musikleidenschaft nachgehen. Regina Meures bekam 2017 für ihren Film den Förderpreis im Rahmen des Deutschen Dokumentarfilmpreises. Die Jury schrieb: »Raving Iran ist ein mutiger Film über das Leben und den Alltag in einem totalitären Regime, in dem die Menschen gelernt haben, sich mit der Zensur zu arrangieren oder sie zu umgehen. […] So fragmentarisch und unperfekt seine Bilder oft sind, so dramaturgisch geschlossen erzählt und kühn montiert ist ‚Raving Iran‘.“   Also nochmal: in der Mediathek nachsehen.

Im Kino sind in der vergangenen Woche angelaufen: Al Gores neuer Film „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“. Die SZ schrieb ziemlich böse: „Wer die Umwelt-Doku schaut, weil er sich für den Klimawandel interessiert, wird kaum Neues lernen. Außer wie man sich als Retter der Geschichte inszeniert.“ Klingt jedenfalls nicht ganz abwegig. Ferner ist angelaufen „Revolution of Sound – Tangerine Dream“ über den wir noch berichten werden. Und eine Hommage an Christian Schlingensief und seine Bundestagswahl-Projekt „Chance 2000“ – wir haben halt schon 2017.

Unbedingt hinweisen wollen wir auf ein Langzeitprojekt, das jetzt mit einer DVD-Edition gewürdigt wird. Fünf Dokumentationen von Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm aus ihrem Projekt „Berlin Bundesplatz“ aus den Jahren 1974, 1980, 1986, 1991 und 1997/98 sind nun bei absolut MEDIEN erschienen. Herausgeberin ist Klaudia Wick, Deutsche Kinemathek. Dazu gibt es zwischen 25.09 und 29.10. eine Filmreihe im Bundesplatzkino und Gespräche mit den Autoren.

Das Fernsehen ist in dieser und der kommenden Woche ein wenig spendabler mit interessanten Produktionen und auch einigen interessanten Wiederholungen.

Als da wären in dieser Woche zwei Filme, die das europäische Flüchtlingsdrama aus deutscher Perspektive reflektieren. „Willkommen auf Deutsch“ von Hauke Wendler und Carsten Rau beobachtete schon 2013 in zwei norddeutschen Gemeinden, wie sich bei der Aufnahme von Flüchtlingen offene oder versteckte Fremdenfeindlichkeit bemerkbar machte, wie eine schon damals überforderte Verwaltung agierte und Konflikte zu bewältigen waren (SWR, MI 13.09.2017, 00.30-02.00) Den anderen Blick, nämlich den von Migranten auf Deutschland, hat „Zum Glück Deutschland“ von Birgit Schulz und Luzia Schmidt zum Thema (Phoenix, 15.09.2017, 21.00-22.15). In „Als wir die Zukunft waren“ reflektieren sieben DDR-Filmemacher Geschichten aus der DDR der 50er und 60er Jahre, die sie auch als Filmemacher prägten (Phoenix, 16.08.2017, 22.30-00.00).

Und auf tagesschau 24 wird noch einmal Stefan Lambys Film „Schäuble – Macht und Ohnmacht“ gezeigt, ein in jeder Hinsicht, ästhetisch wie politisch, interessantes Porträt des ewigen Finanzministers mit der Schwarzen Null. Es zeigt sich auch in diesen Tagen des Wahlkampfs wieder mal, dass Stefan Lamby der wahrscheinlich einzige Filmemacher ist, der derzeit seriös sich in der offiziellen Sphäre der Politik bewegen kann und dennoch aus ihr heraus gute bis sehr gute und vor allem aufklärerische Filme machen kann (17.09.2017, 21.00 – 22.15)

In der kommenden Woche ein unbedingtes Muss für politisch interessierte ist der Themenabend auf Arte am Dienstag, 19.09.2017. Da zeigt der Sender einige Teile eines großen Vietnam-Mehrteilers von Ken Burns und Lynn Novick. Sie erzählen die Geschichte des Vietnamkriegs (1955-1975) so umfassend und detailliert wie nie zuvor, mit diesmal offenbar wirklich bisher ungesehenem Dokumentarmaterial und mit zahlreichen neuen Augenzeugen. An diesem Abend laufen die ersten drei Teile. Weitere Folgen

An diesem Abend läuft auch „Guatemala: Gegen das Vergessen“. Der Sender kündigt dieses außergewöhnliche Dokumentarfilmprojekt mit folgender Information an: „„Guatemala: Gegen das Vergessen“ ist kein gewöhnlicher Dokumentarfilm. Denn seine Entstehungsgeschichte ist eng verzahnt mit der Gewalt, von der er erzählt: Während des guatemaltekischen Bürgerkriegs von 1960 bis 1996 verschwanden Tausende Menschen für immer, wurden verschleppt oder getötet. Erst 2012 gelang es einer Gruppe von Angehörigen der Opfer, den Staat Guatemala in einem aufsehenerregenden Prozess vor dem interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof zu verklagen – es sollte das erste Mal in der Geschichte sein, dass ein Staat für solche Verbrechen angeklagt wurde. Auch wenn nur 26 der 45.000 Taten geahndet werden konnten, bekamen die Kläger Recht gesprochen. Sie bestanden auf verschiedenen Wiedergutmachungsmaßnahmen, unter anderem auf der Produktion eines Dokumentarfilms auf Kosten des Staates. Doch der Staat weigert sich bis heute, das Urteil zu akzeptieren. Schließlich haben die Familien die Sache selbst in die Hand genommen: Dies ist ihr Film. Gemeinsam mit Regisseur Claudio Zulian und einer Gruppe politisch aktiver Kulturschaffenden wurde ausführlich diskutiert, wie die Gräuel des jahrzehntelangen Bürgerkriegs dargestellt werden sollten, von denen es kaum mehr Spuren gibt. Soll diese Gewalt für die zukünftigen Generationen filmisch festgehalten werden, und wenn ja, in welcher Form und bis zu welchem Grad? Diese Fragen wurden in den Dokumentarfilm integriert und hinterfragen damit auch die normalerweise verwendete Sprache des Genres. „Guatemala: Gegen das Vergessen“ ist ein eindrucksvoller und schmerzlicher Dokumentarfilm geworden, der die Grenzen auslotet zwischen Geschichtsaufarbeitung, Erinnerung und Gerechtigkeit. (Arte 19.089.2017, 23.00 – 00.05)

Aus den Wiederholungsschleifen herausgefischt haben wir noch „Ritterblut – Verliebt in einen Knacki“ von Sigrid Faltin (18.09.2017, 22.25 – 00.00) und den unvermeidlichen „Versicherungsvertreter 2“ von Klaus Stern, über den Barbara Sichtermann schreibt. (NDR, 19.09.2017, 00.00-01.10). Auch der ebenso unvermeidliche „Der Banker – Master of Universe“ von Marc Bauder ist noch im Programm, diesmal beim HR am 14.09.2017, 23.30-00.55). Und noch in den Mediatheken vom letzten Mal „Am Kölnberg“, „Wem gehört die Stadt“ und „Ebola – Das Virus überleben“.

Und was sonst noch läuft, findet sich, wie immer ohne jede Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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