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Zapped. Von Thorsten Schütte

Für viele blieb Frank Zappa zeitlebens der Mann auf der Klobrille. Für andere der Provokateur und bad guy auf der Rockbühne. Und nur wenig wissen, dass er ein seriöser E-Musiker war, der z.B. seine Kompositionen im Barbican Center aufführte, unter Leitung von Kent Nagano. Das Porträt eines Eigensinnigen (Noch In der Mediathek von Arte).

Es gibt viele schöne Szenen in diesem Film, der nur aus fremdem Filmmaterial besteht, eine Collage aus Konzertauftritten, Interviewpassagen, Filmausschnitten. Der Titel „Zapped – Frank Zappa in seinen eigenen Worten“ zeigt das an. Wir sehen den Musiker da in der Steve Allen Show, wie er in seinem „Concerto of two bycicles“ auf zwei Fahrrädern musiziert und seine Musiker auffordert, nur Geräusche, keine Töne zu provozieren – eine dadaistische Performance. Wir sehen den Aufrührer mit dem auffälligen Schnurrbart aber auch in der US-Ausgabe der TV-Show „Wer bin ich?“ sitzen, ganz brav, höchstens fein ironisch. Schöne Konzertausschnitte wie etwa beim Song von „Bobby Brown“, einer Satire auf den Durchschnittsamerikaner, den gut aussehenden Kotzbrocken, auf den amerikanischen Traum. Der Song wurde in den USA nicht gespielt, in Norwegen funktionierte er als Schmusesong in der Disco. Und wir sehen Zappa bei einem Empfang in Prag, nach der Wende, mit Pelzmütze und empfangen von Staatspräsident Vaclav Havel, einem bekennenden Zappa-Fan – Zappa konnte sich vor Verwunderung gar nicht einkriegen.

Skandale gab es auch genug um Frank Zappa, inszenierte und angedichtete. Vor einem Konzert in der der Royal Albert Hall mit den Londoner Philharmonikern wurde er wegen obszöner Texte wieder ausgeladen. Das Macho-Gehabe auf der Bühne war aber nicht nur Inszenierung, ein Freund der Frauenbewegung wäre Zappa wohl niemals geworden. Lebenslang dichtete man ihm eine Drogenkarriere an, was er heftig bestritt, er habe es mal probiert, aber kein kosmisches Bewusstsein, nur Müdigkeit. Auf der Bühne durfte keiner seiner Musiker Drogen konsumieren, Zappa legte auf Präzision wert. Auch wenn die Auftritte wie das leibhaftige Chaos aussahen, waren doch die einzelnen Stücke sehr präzise geprobt: „Ich stümpere ungern auf der Bühne“.

Das ist also sehr viel Material aus der langen Bühnenkarriere. Einiges freilich gibt das Material hier nicht her. Z.B. seine doch ziemlich rigiden Band-Umbauten, bis zur Auflösung der „Mothers of Invention“, bei der die Bandmitglieder finanziell stark benachteiligt worden sein sollen. Darüber berichtet z. B. andeutungsweise Carl Jimmy Black, Schlagzeuger der ersten fünf Formationen der „Mothers of Invention“ im Film  „Where’s the beer and when do we get paid“ (von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier) – der übrigens bezeichnenderweise keinen Konzertausschnitt zeigt, weil die Witwe von Frank Zappa wohl mindestens so geschäftstüchtig ist wie Zappa selbst es war. In diesem Film hier sieht man einige kurze Ausschnitte auch mit Jimmy Carl Black, Thorsten Schütte muss hier wohl bessere Verbindungen gehabt haben.

Formal gesehen ist „Zapped“ ein Compilationsfilm, also aus fremdem Filmmaterial collagiert. Zappa sagt einmal eingangs, er halte Interviews für abnormal- dafür hat er dann doch ganz schön viele gegeben, der Film bedient sich reichlich daraus. Sie zeigen durchweg einen schlagfertigen, keine Provokation scheuenden, witzigen Intellektuellen. Das bewegendste Interview ist freilich das letzte, das er vor seinem Tod gab, schon schwer krank und müde, mit ergrautem Vollbart nunmehr. Woran man sich erinnern solle, fragt die Interviewerin und er winkt ab. Arbeit an der Erinnerung, das sei etwas für Politiker, nicht für ihn.

„Zapped“ ist das Porträt eines Aufsässigen, besser: eines Eigensinnigen, der auf seiner Musik beharrte, der Dummheit verachtete, der sich nicht einspannen ließ für andere Zwecke, nicht vom Papst und nicht von der französischen KP. Der gleichwohl immer politisch agierte. Der Film zeigt eine Auftrittsszene mit einem Song gegen Ronald Reagan, den kann man einszueins heute wieder hören, noch immer. Die Textzeile laute:

„Wenn die Lügen so groß werden und der Nebel so dick und die Fakten verschwinden, dann kann der republikanische Trick wieder ausgeführt werden. Sagt mir, wie wir die Leute wieder loswerden. Wie konnten sie soweit kommen? Waren wir wirklich so dumm? Leute, wacht auf“.

Die hier besprochene Fassung ist die 60-minütige Fassung, die auf Arte gezeigt wird. Unter dem Titel „Eat That Question“ lief eine 90-minütige Fassung in einigen Kinos und ist auch auf DVD erhältlich.

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