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Vivan las Antipodas. Von Victor Kossakovsky

Das hat wohl jeder als Kind einmal gefragt: wo kommt man hin, wenn man geradewegs durch die Erde bohrt? Und stehen die Menschen dort auf dem Kopf? Aus dieser Frage hat Victor Kossakovsky einen Film gemacht und setzt acht Antipoden einander gegenüber, die geografisch exakt sich auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs befinden. Orte in China und Argentinien, Spanien und Neuseeland, Chile und Russland, Botswana und Hawai. Noch in der Mediathek von Arte

Das sind dann, wie man leicht erkennen kann, nicht nur räumliche Gegensätze, sondern auch soziale und kulturelle. Die zum Greifen spürbare Bewegungslosigkeit im argentinischen Entre Rios und die Hektik der Großstadt Shanghai. Hier der einsame Jäger in Chile, dort die Bewohnerin im menschenleeren Gebiet am Baikal. Es entsteht so ein Bild der Vielfalt der Erde und des menschlichen Lebens.

 

Vor allem interessierten den Regisseur offenbar die verschiedenen Landschaften, die er in immer neuen langsamen horizontalen Kamerafahrten absucht und zu großen Bildkompositionen fügt. Zugleich spiegelt er mit Doppelungen und Kameradrehungen die Bewegungen zu den Antipoden, lässt Menschen und Gegenden zeitweilig auch auf dem Kopf stehen, spielt mit diesen Verfremdungen und verklammert die Bilder mit den Musikern des jeweiligen Gegenübers. Es wird kaum gesprochen in diesem Film, der eine oder andere Dialog läuft wie nebenbei vorbei, aber das Hauptaugenmerk gilt den Bildern.

 

Leider hat der Regisseur die Manie, bei Szenenwechseln häufig mit einer Großaufnahme zu starten, was die räumliche und kulturelle Orientierung immer wieder erschwert. Es sei denn, man wolle sich widerstandslos und bloß assoziativ dem Fluss der Bilder überlassen. Aber auch das ist nicht so einfach. Denn jedes Bild schreit in diesem Film, es sei noch besser, noch schöner als das vorhergehende und so kommt man sich allmählich vor wie jemand, der ein Tortenstück nach dem anderen in sich hineinstopfen muss. Vor der konzentrierenden großen Leinwand im Kino mag diese Form der Überwältigung funktionieren. Auf dem Bildschirm, und sei es auch einem großen, führt sie bald zu Übersättigung.

 

Vivan las Antipodas, Dokumentarfilm von Victor Kossakovsky,

WDR, Do 12.06.2014, 23.15 – 01.00 Uhr

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