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Rassismus, Freiheits-Surfen, Welternährung

Zu den Kinofilmen, die in der kommenden Woche, am 30.03.2017, anlaufen, hat wolfsiehtfern leider keine Kritiken zur Verfügung, aber wenigstens Hinweise für Kinogänger. Die meisten Filme laufen ohnehin nur in wenigen Arthouse-Kinos und dann auch zu ungewöhnlichen Zeiten und sind im besten Fall Longrunner. Im Fernsehen einige interessante Wiederholungen

Der wahrscheinlich wichtigste Film in dieser Woche ist „I am Not Your Negro“, ein Film von Raoul Peck über das Schaffen des Schriftstellers James Baldwin. Ein Film, der zu seinem Thema Rassismus stets Querverbindungen zur Gegenwart stellt. Critic.de schreibt dazu: „I Am Not Your Negro hat nicht die Antworten, vielleicht aber die richtigen Fragen. Und genau das macht ihn zu einem guten politischen Film. Denn er gibt keine finale Haltung vor, sondern fordert heraus, sich zu ihm zu verhalten“. Und die taz schrieb anlässlich der Aufführung auf der Berlinale: „Ob er Hoffnung habe, dass die Rassen eines Tages wirklich in Frieden zusammenleben würden, nicht neben-, sondern miteinander, wird Baldwin einmal gefragt: Mit traurigem Blick, die Zigarette wie stets zwischen den Fingern, verneint er. Nach den aufrüttelnden, aufwühlenden 105 Minuten dieses brillanten, im besten Sinn des Wortes politischen Films wird man Baldwin recht geben. Leider.“

Der Gaza-Streifen ist eines der dichtest besiedelten Gebiete der Welt, eingeklemmt zwischen Israel und Ägypten, von manchen das größte Freiluft-Gefängnis der Welt genannt. Hier versuchen einige Jugendliche der Enge ihrer Welt zu entkommen und beim Wellenreiten Freiheit zu gewinnen: „Gaza Surf Club“ heißt der Film von Philip Gnadt und Mickey Yamine. Dazu schrieb Programmkino.de: „Die politisch brisante Lage im Gazastreifen dient als Kontext, steht aber genauso wenig im Fokus wie die Surfszenen selbst, die nicht in hyperaktiven GoPro-Aufnahmen, sondern ganz gediegen daherkommen. Das eigentliche Thema der Doku ist der Alltag im Gazastreifen, den die Filmemacher mit ästhetischen Weitwinkelaufnahmen von Ruinen und Sandhügeln greifbar machen.“

In Antje Huberts Film „Von Bananenbäumen träumen“ wehren sich ein paar norddeutsche Bauern mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Krise: Sie bauen Bananen an. Der Film begleitete das ungewöhnliche Projekt über drei Jahre lang.

Im Fernsehen waren in dieser Woche aus dem großen Kreislauf einige interessante Wiederholungen herauszufischen.

3Sat zeigt auf seinem Dokumentarfilmplatz am Montag Markus Imhofs inzwischen berühmten Film „More than Honey -Bitterer Honig“, der das Phänomen des Bienensterbens aufgreift. Und übrigens fantastisch fotografiert ist. Wer einmal die Szene der Geburt einer Bienenkönigin gesehen hat, wird das so schnell nicht vergessen (3Sat, 27.03.2017, 22.25-23.55)

„10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?“ ist das groß angelegte Projekt von Valentin Thurn, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich die Erdbevölkerung ernähren wird, wenn sie 2050 auf 10 Milliarden angewachsen sein wird. Eine Tour d’Horizon auf der Suche nach Antworten, ob verhindert werden kann, dass die Menschheit durch hemmungslose Ausbeutung der begrenzten natürlichen Ressourcen die eigene Lebensgrundlage zerstört (SWR, 29.03.2017, 23.30 – 01.10.)

Mit der Frage, warum es für Muslime oft schwer ist, frei zu sein, befasst sich Güner Jasemin Balci in „Jungfrauenwahn“. Es geht vor allem auch um selbst bestimmte Sexualität. Die Protagonisten des Films haben selbst alle um diese Selbstbestimmtheit kämpfen müssen. Barbara Sichtermann schreibt über diesen Film. (Phoenix, Sa 01.04.2017, 22.30 – 00.00)

Dass Sport Mord ist, war die Überzeugung des Filmemachers Niko von Glasow. Bis er eine Gruppe von Behindertensportlern traf, die sich auf die Paralympics vorbereiteten. „Mein Weg nach Olympia„, eine schöne, auch selbstironische Studie über Vorurteile und Lebensmut (HR, So 02.04.2017, 01.30)

Phoenix hat die Philosophie, manche Filme zu allen möglichen Uhrzeiten durchs Programm zu schicken. So kommt „Schatten des Krieges“, der Zweiteiler von Artem Demenok und Andreas Christoph Schmidt zu dem absurden Ausstrahlungstermin für Nachtschwärmer und Nachtportiere. Aber vielleicht noch einmal der Hinweis, für diese ausgezeichneten und mit dem Grimmepreis gekürten Geschichtsfilme aufzuzeichnen und zu sozialverträglicher Zeit zu sehen.

„Speed“, „Zapped“ und „Greenpeace“ stehen noch in den Mediatheken.

Und was sonst noch läuft, steht unter „Was sonst noch läuft“.

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