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„Der grüne Prinz“. Von Nadav Schirman

Eine Geschichte, die man nicht erfinden kann: Mossab Hassan Yousef ist der Sohn von Scheich Hassan Yousef, einem der Gründer der Hamas. Zehn Jahre lang hat Mossab für den israelischen Geheimdienst gearbeitet. Der gab ihm den Decknamen „Grüner Prinz“. (Phoenix, 18.03.2017, 22.30 – 00.05)  Die Geschichte des Mossab Hassan Yousef ist voller Wendungen und Überraschungen. Der Sohn des Hamas-Gründers verehrt seinen Vater, er wird als 17-jähriger beim Waffenschmuggel für die Hamas erwischt und inhaftiert. Im Gefängnis lernt er eine andere Hamas kennen. Die foltert auch die eigenen Leute, wenn sie der Kollaboration verdächtigt werden. Da wechselt der junge Mossab die Seiten und lässt sich vom israelischen Geheimdienst Schin Beth anheuern. Aus dem Machtzentrum der Hamas heraus informiert er über Attentate und Aufenthaltsorte bekannter Hamas-Mitglieder. Er will damit zahlreiche blutige Attentate verhindert haben. Er sorgt sogar für die Verhaftung seines Vaters, um ihm das Leben zu retten, denn der steht auf der Liquidationsliste der Israelis. Am Ende wirft ihn die Erfahrung um, dass er immer und überall und bei jedermann lügen muss. Und als auch noch sein Führungsoffizier suspendiert wird (warum genau eigentlich?) flieht Mossab in die USA und wechselt zum Christentum. Doch in den USA glaubt man ihm seine Geschichte nicht, hält ihn für einen Terroristen und will ihn abschieben. Erst als sein ehemaliger israelischer Führungsoffizier sich für ihn einsetzt, darf er bleiben.

Im Film „Der grüne Prinz“ rekonstruiert Nadav Schirman diese Geschichte und zwar vor allem über Gespräche mit den beiden Hauptbeteiligten, Mossab und dem Geheimdienstler
Gonen Ben Yitzak. Der Film hält sich einigermaßen an die Chronologie. Vor allem aber inszeniert er eine große Geschichte von Verrat und Freundschaft. Es geht vor vor allem um die beiden Männer, um die Psychologie von Verrats und Vertrauen. Von Politik erfährt man nicht viel, weder von Hamas noch von Israel. Es ist auch nicht Thema, welche politischen Ideen den grünen Prinzen umtreiben. Begründet wird sein Verhalten in der Hauptsache psychologisch.

Die Geschichte selbst ist nicht ganz neu. Vor drei Jahren hat Mossab sie selbst in einem Buch erzählt. Der Film ist nach diesem Buch gedreht. Er Film besteht im Grunde aus zwei langen Interviews mit den beiden Protagonisten, in denen sie von ihren eigenen und den gemeinsamen Erfahrungen erzählen. Darin stecken interessante Informationen über das Innenleben von Schin Beth und Hamas und über die geheimdienstliche Seite des Nahostkonflikts. Das aber nur am Rande.

„Der grüne Prinz“ ist ein getunter Dokumentarfilm, ein Hybrid zwischen Dokumentarfilm und Psychothriller, ganz konzentriert auf die spannungsvolle Beziehung von Verrat und Freundschaft, von Freundschaft zwischen Feinden. Der Verleih nennt ihn einen „Real-Life-Thriller“. Den filmischen Raum zwischen den Erzählungen füllt der Regisseur mit allerlei Filmmaterial, dokumentarischem und pseudodokumentarischem. Die meisten Szenerien sind farblich verfremdet. Die politische und gesellschaftliche Welt außerhalb dieser beiden Menschen, die am Ende einander vertrauen, wirkt unwirklich, entrückt.

Der Autor setzt viele Effekte ein, Wischbilder, unspezifische Details, eine dramatisierende Farbdramaturgie. Er arbeitet auch reichlich mit Bildern aus der Google-Earth-Perspektive. Sie sehen im Effekt aus wie Drohnen-Videos aus den Nachrichtenbildern, die das Terrain sondieren, ehe die Raketen einschlagen und ihre Ziele pulverisieren. Ob es sich um tatsächliche Drohnen-Aufnahmen handelt oder um nachinszenierte – man kann dessen nie sicher sein. Der hohe inszenatorische Anteil gehört zwar zur Philosophie dieser Form von Filmerzählung, nimmt aber am Ende doch dem Film etwas von seiner Glaubwürdigkeit.

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