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Zeitreise, Seelenreise, Frontreise

Von der Fülle der letzten Woche ist in dieser Woche nicht mehr so viel übrig geblieben. Aber die eine oder andere lohnende Bekanntschaft ist schon noch dabei.

Der Film der Woche, den man nicht versäumen sollte: „Titos Brille“ von Regina Schilling. Er erzählt die Geschichte der Schauspielerin, Regisseurin und Autorin Adriana Alteras – eine Zeitreise und eine Reise durch die Zeitgeschichte, leichtfüssig, aber nicht leichtsinnig erzählt, voller überraschender Wendungen und voller Korrekturen der Mythen der Zeitgeschichte. Die ARD gibt sich noch einmal einen Ruck und räumt einen akzeptablen Sendeplatz ein (19.09.2016, 22.45)

Einen sehr persönlichen Film hat die Schweizer Autorin Sabine Gisinger gedreht über den bekannten amerikanischen Psychiater Irvin Yalom „Yalom’s Cure – Eine Anleitung zum Glücklichsein. Es handelt sich um das Porträt des Therapeuten, aber auch das Angebot zu einer Reise zu sich selbst. Die Autorin hat in ihren Bemerkungen zum Film geschrieben: „Letztlich, sagt Yalom, ist es eine Frage der gesellschaftlichen Bedingungen, der persönlichen Prägung und der finanziellen Mittel, ob jemand in eine Therapie geht. Das Leiden am Leben hingegen ist universell. Vor der Frage, wer wir sind,  vor der Frage, was uns eigentlich an- und umtreibt, vor der Frage, was das alles für einen Sinn macht, stehen wir alle, immer wieder. Mit YALOM’S CURE wollte ich einen Film machen, der beim Publikum eine ähnlich kathartische Wirkung entfaltet wie sie die Lektüre von Irvin Yaloms Büchern auf mich gehabt hat – einen Film, der die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu inspiriert, nie die Neugier auf sich selbst zu verlieren.“  (3Sat, Mo 19.09.2016, 22.25-23.40)

„Der Domino-Effekt“ spielt in einem Land, von dem wir kaum etwas wissen, in der kleinen Kaukasusrepublik Abchasien. Erzählt wird in dem Film die Geschichte eines Paares, das in diesem Land am Rand der Welt versucht, sich ein Leben aufzubauen. Wir drucken ein Interview mit den beiden Autoren, das die Produktionsfirma in ihrem Pressematerial publiziert hat. Vielleicht gibt es noch Gelegenheit, die Informationen kritisch zu überprüfen. (RBB, Di 20.09.2016, 23.30)

„Im Nebel des Krieges“ ist eine der singulären Reportagen des Kriegsreporters Ashwin Raman, eine Reise entlang der Fronten zum IS. Direkt, eindringlich, authentisch (ARD One, das früher EinsFestival hieß, Mi 21.09.2016, 14.00). Am 12. Oktober wird im ZDF Ashwin Ramans neuer Film laufen, diesmal an der Front zwischen Peschmerga und IS.

Von den Kinofilmen der vergangenen Woche hier noch einmal die Kritik von Heike Heinrich zu „Hieronymus Bosch“ – die Kino-Dokumentarfilme schleppen sich ja in eher geringen Kopienzahlen durch die Arthouse-Kinos.

Eine der erfolgreichen und folgenreichen Geschichts-Reihen der vergangenen Jahre ist „Akte D“ vom WDR, 2015 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Den ersten Film der ersten Staffel über „Das Versagen der Nachkriegsjustiz“ zeigt der WDR am Mi, 21.09.2016 um 0.10) Willi Winkler schrieb zum Film in der SZ: „Die westdeutsche Bundesrepublik kam sehr gut damit zurecht, dass die Mörder, wie ein früher Film vergeblich mahnte, mitten unter uns lebten. Es gehört vielmehr auch zur wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik, dass die Millionen Mitglieder der NSDAP und andere Mitläufer großzügig in die Demokratie integriert wurden, deren Abschaffung sie zuvor so leidenschaftlich betrieben hatten.“ Und die Grimme-Preis-Jury urteilte 2015: „„Akte D“ bricht radikal mit dem Geschichtsklitterungsentertainment des Mainstreams. Das Format kapituliert nicht vor dem Erzählkino‚ wie alles sich ereignet hätte, wenn…‘ oder warum Opa nicht anders konnte, als er musste. Es vermeidet, Nazi-Wochenschauen für die verlässlichen Zeugen zu nehmen, unhinterfragt die notorisch unschuldigen Täter vor schwarzem Vorhang daher schwadronieren zu lassen. Hier findet Rückbesinnung statt auf die Arbeit des ernst zu nehmenden Historikers: Indem man in die Archive geht und Dokumente auswertet – mit dem Ziel vor Augen, differenziert zu erzählen und kritisches Bewusstsein anzuregen. So findet rechtsstaatlich verpflichtetes und sozialpolitisch engagiertes Fernsehen wieder zu sich selbst“.

Aus den Wiederholungsschleifen in dieser Woche herausgefischt: „Geheimes Kuba“, einen Mehrteiler, mit dem ZDF-Info sich als Dokumentations-Sender profilieren möchte. Und „Die letzten Gigolos“ von Stephan Bergmann, der von den letzten Kavalieren erzählt, die auf Kreuzfahrtschiffen alleinreisenden älteren Damen die Reise verschönern (Phoenix, Sa 24.09.2016, 22.30).

Noch in den Mediatheken auffindbar sind Filme, die wir vergangene Woche vorgestellt haben: „Verliebt, verlobt, verloren“,Vaterlandsverräter“, Song from the forest“, „Geschlossene Gesellschaft“, „Ritterblut“Leben am Limit“ und „I Want to See The Manager„.

Und was sonst noch läuft: wie immer, ohne jede Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“ zu finden.

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