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Handarbeit, Cyberwar, türkische Hochzeit

Ziemliche Themenbreite in dieser Woche zwischen Computerkrieg und Arbeit im Weinberg, Extremsportlern und türkischen Hochzeiten. Ist ja ein gutes Zeichen, dass der Dokumentarfilm nicht tot zu kriegen ist. Und einige schöne Wiederholungen sind auch zu vermelden.

Arbeit ist nicht grade häufig ein Thema im Dokumentarfilm, zumal die menschliche Arbeit in einer hochtechnisierten Gesellschaft immer unanschaulicher wird. Seit letzter Woche ist „Von Trauben und Menschen“ von Paul Lacoste in einigen Kinos angelaufen. Es geht hier um Arbeit noch im körperlichen Sinn. 20 Frauen und Männer jeden Alters werken in der kleinen Weinregion Gaillac in Frankreich in der Weinlese. Es ist gemeinsame Arbeit im Weinberg und jeder dieser Erntehelfer hat seine eigene Geschichte, die der Autor im Film miterzählt. Der Film bekam 2014 auf dem Leipziger Dokumentarfilmfestival den Preis für den besten Dokumentarfilm zum Thema Arbeit. Die Jury begründete ihre Entscheidung: „Es geht um das Verhältnis von Menschen zu einer besonderen Arbeit, Handarbeit, draußen und die Erntehelfer im Weinberg machen die Arbeit besser als Maschinen. Und trotz oder gerade wegen ihrer bescheidenen Lebensführung wirken sie frei. Abends fährt man müde und verdreckt nach Haus, man spürt, was man getan hat. Und natürlich wird auch zusammen gekocht, gegessen, getrunken und gefeiert. Diese Arbeit unterstützt das Leben. Sie gibt Würde und sie hat eine Jahreszeit“.

Stuxnet, das ist der Name für ein Computer-Schadprogramm, mit dem 2010 eine der großen Aktionen des Cyberwar durchgeführt wurde, der Angriff auf eine Uran-Anreicherungsanlage im Iran. Der Film „Zero Days“ von Alex Gibney rekonstruiert die Geschichte dieses bis dahin einmaligen Cyber-Angriffs. Die „Berliner Zeitung“ spricht von einem „krimispannenden Dokumentarfilm“, bei dem es nicht nur um Hacker und Regierungsnerds geht, sondern auch um Spannungen zwischen dem israelischen Geheimdienst Mossad und der CIA. Alex Gibney ist bekannt für seine investigativen Dokumentarfilme, hatte 2007 für „Taxi zur Hölle“ zahlreiche Preise bekommen, den Oscar und in Deutschland den Grimme-Preis. Der Film läuft seit 1.9.2016 in einigen Kinos und ist inzwischen auch als DVD erhältlich.

Dritter Kino-Dokumentarfilm in dieser Woche ist „Dügün – Hochzeit auf Türkisch“ von Marcel Kolvenbach und Ayse Kalmaz. Heike Heinrich hat den Film schon gesehen, mag ihn auch, findet ihn aber im Fernsehen besser platziert als im Kino

Neue Dokumentarfilme im Fernsehen sind in dieser Woche eher rar. Diese Woche ist mal wieder einer im Programm, bekanntlich weil die ARD noch am ehesten dann programmiert, wenn die Talkshow-Crews noch im Urlaub sind. Jetzt als „Leben am Limit: Extremsportler“ von Sascha Köllnreitner, glücklicherweise keine Heldenverehrung, sondern eine Motivsuche.

Aus den Wiederholungsschleifen ist uns diese Woche ins Netz gegangen: „Mein Weg nach Olympia“ von Niko von Glasow, eine sehenswerte Bekanntschaft eines Nicht-Sportlers mit Behindertensportlern (RBB, Di 06.09.2016, 21.15-00.40). Ein unbedingtes Muss für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: „Göttliche Lage“ von Ulrike Franken und Michael Loeken, eine sehr konkrete, genaue und auch humorvolle Studie über das, was man im Ruhrgebiet Kulturwandel nennt (WDR, Mi 07.09.2016, 23.25-01.00). „Ritterblut“ von Sigrid Faltin, letzte Woche in der ARD, jetzt auch im SWR und, wie die Autorin schreibt, diesmal auch in der farbkorrigierten Fassung – was in der ARD so alles durchgeht. „Die Die Geschichte des Whistleblowers „Falciani und der Bankenskandal“ taucht am Montag zu bester Sendezeit m Spartenkanal „tagesschau 24“ auf. Dagegen sind die beiden kommenden Filme wohl nur zugänglich für Schlaflose und Nachtwächter. „Zum Glück Deutschland“ von Luzia Schmid und Birgit Schulz wirft einen anderen Blick aufs Land, nämlich den positiven von Flüchtlingen, die vor allem politische Rechte bewundern und sich wundern, dass die Polizei nicht korrupt ist. (Phoenix, Do 08.09.2016, 02.15-03.30 Und schließlich noch später „Die Kathedrale“, das ist die von Straßburg und erzählt wird die Geschichte der Münster-Baumeister, mit interessanten computeranimierten Ansichten, die unseren Blickwinkel erweitern. Thomas Gehringer schreibt über den Film (Phoenix, Do 09.09.2016, 03.40-05.10).

Und was sonst noch läuft, steht in der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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