Permalink

0

Prüfung, Globalisierung, Rechtssprechung

Zwei interessante Dokumentarfilme kommen in dieser Woche in die Kinos, über Schauspielschüler undüber einen Flughafen, den niemand anfliegt. Und dann, was sich im Fernsehen findet.

„Die Prüfung“ von Till Harms erzählt von künftigen Schauspielschülern und den Dozenten, die die Auswahl bestimmen.Ein ungewöhnlicher dokumentarischer Blick hinter die Kulissen. Hier die Kritik.

Der zweite Film „Parchim international“ erzählt eine unmögliche Geschichte. Seit 2007 versucht ein chinesischer Investor, aus dem brandenburgischen alten Provinzflughafen Parchim ein internationales Drehkreuz zu machen. Die beiden Dokumentaristen Stefan Eberlein und Manuel Fenn beobachten dieses Nicht-Vorankommen in einer Langzeitstudie. Auch eine Globalisierungsgeschichte, über die epd-Film schrieb: „dokumentiert mit viel Feingefühl für die skurrilen Absurditäten ihres Sujets, wie ausgerechnet hier die unterschiedlichen Geschwindigkeiten chinesischer und deutscher Investitionsträume aufeinanderprallen und in eine unendliche Geduldsprobe münden. Die stärksten Bilder dieses Dramas mit Serienpotenzial: ein globaler Unternehmer aus China, der sich in allen Weltzonen unermüdlich mit Dauerlaufen fit hält und doch steckenbleibt, im Gegenschnitt dazu ein Mümmelhase, der auch Jahre nach dem großen Deal das umstrittene Terrain für sich reklamiert.“

Aus den Wiederholungsschleifen und Mediatheken lässt sich in dieser Woche wieder einiges herausfischen.

Wer Alex Gibneys Film „Scientology. Ein Glaubensgefängnis” verpasst hat, findet ihn noch in den Mediatheken von ARD und WDR. Gibney widmet sich hier umfänglich der Geschichte dieser Sekte und geht dabei vor allem der Geschichte und der Denkwelt des Scientology-Gründers Ron Hubbard nach – eine ziemlich erschütternde Reise in ein verrücktes Kopf-Universum und eine nicht weniger erschütternde Begegnung mit vernünftigen Menschen, bei denen zeitweise der Verstand ausgesetzt hat, auch bei Celebrities wie etwa dem Hollywood-Drehbuchautor Paul Haggis. Ein Lehrstück über menschliche Verführbarkeit. Auch “Versicherungsvertreter 2” ist auf diesem Weg noch zugänglich, mal davon abgesehen, dass der Film ohnehin wieder in irgendeinem der Dritten Programme auftauchen wird.

Julia Albrechts Geschichte ihrer Familie und den Folgen des RAF-Attentats auf den Chef der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, sind in „Die Folgen der Tat“ auf eine besondere Weise dokumentarisch erzählt. Es geht weniger um die politische als die menschlich-familäre Seite. Der Film bekamt in diesem Jahr den Grimmepreis und der Hessische Rundfunk hat gleich zwei Sendeplätze für diesen Film, freilich nur nachts (19.05.2016, 00.05-01.25 und 23.05.2016, 01.00-02.20). Mit „Citizen four“ erzählt Laura Poitras die dramatische Geschichte vom Coming-out des Whistleblowers Edward Snowdon. Und in „Gangsterläufer“ erzählt Christian Stahl von einem palästinensischen Intensivtäter aus Berlin-Neukölln. Der Vierteiler „Kunst und Verbrechen“ kommt nun in Einzelhäppchen auf 3Sat, diesmal die Folge „Göttin auf Abwegen“ am Pfingstmontag (16.05.2016, 11.30-12.15). Udo Lindenberg feiert immer noch den 70.

Am Dienstag, den 17.05. zeigt Arte einen Themenabend unter dem Generalthema „Dauerkrise in Nahost“, unter anderem mit der Geschichts-Doku „100 Jahre Krieg in Nahost“. Dazu passt einer der aufregendsten Dokumentarfilme, den es zum Thema gibt: „Das Recht der Macht“. Der israelische Regisseur Ra’anan Alexandrowitsch fragt, ob Rechtsstaat und Besatzungsrecht überhaupt miteinander vereinbar sind. Eine nur auf den ersten Blick trockene Materie und ein hochspannender  und aufklärerischer Film.

Immer wieder mal sind hier und da Stücke aus dem größten Dokumentarfilmprojekt der deutschen Filmgeschichte zu sehen, „Die Kinder von Golzow“ von Barbara und Wilfried Junge Jetzt zeigt der RBB einen der abschließenden summarischen Filme, den zweiteiligen  „Und wenn sie nicht gestorben sind“. Die Filme erzählen an den Biographien von 18 Menschen, die im brandenburgischen  Golzow aufwuchsen, eine Geschichte auch der DDR und der Sozialisation. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb darüber vor einem Jahr: „Es ist diese Nähe zu den Porträtierten, welche die Dokumentationsreihe zu etwas Besonderem macht. Dazu gehört auch eine gewisse Eigendynamik, die das Leben ins Drehbuch schreibt. Manche Protagonisten steigen noch zu DDR-Zeiten aus, wollen nicht mehr gefilmt werden. Hoffnungen werden zerstört, Beziehungen gehen zu Bruch. Und irgendwann möchte schliesslich jeder im Leben einfach seine Ruhe haben. Man muss natürlich Filmenthusiast sein, wenn man sich auf so etwas einlässt. Aber die Junges dürfte es selber überrascht haben, wie im Laufe der Zeit das Leben immer wieder einmal der Staatsdoktrin in die Parade fährt.“  (RBB, Di 17.06.2016, 23.30-04.00)

Kleiner Hinweis zum Abschluss. Am Wochenende hat, wer sich dafür interessiert, mehrere Künstlerportraits zur Auswahl: Picasso, Johannes R. Becher und Eric Satie – neben anderen Hinweisen zu finden unter „was sonst noch läuft“

 

Kommentare sind geschlossen.