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„Kunst und Verbrechen“. 4-teilige Dokumentation

In einer groß durchrecherchierten Dokumentation zeigen die Autoren Ilka Franzmann, Carl von Karstedt, Sylvie Kürsten, Andreas Gräfenstein dunkle Seiten in der Geschichtes des Kunstmarktes., Die Reihe bekam den Publikumspreis beim Grimmepreis in Marl.  Noch in den Mediatheken von ZDF und 3Sat. Hier die Begründung der Jury

Die Dokumentation „Kunst und Verbrechen“ taucht in vier Folgen in die teils dunkle Geschichte des Kunstmarktes ein und beleuchtet die Nähe von Kunst und Kriminalität. Es geht um NS-Raubkunst, Fälschung, Schmuggel und Diebstahl. Welche Rolle spielen Museen, Sammler und Privateigentümer, und was hat die Kunstwelt mit dem organisierten Verbrechen zu tun? Diesen Fragen gehen die Macher der 3sat-Reihe Ilka Franzmann, Carl von Karstedt, Sylvie Kürsten und Andreas Gräfenstein in nach.

Da ist zum Beispiel der Fall Wally. Die ungeklärten Besitzansprüche am Bildnis von Egon Schieles Geliebter Walburga Neuzil führen zu einem jahrelangen Rechtsstreit. 1912 verewigte der Maler das Modell im „Bildnis der Wally“, über 80 Jahre später wird es im Museum of Modern Art (MoMa) in New York ausgestellt. In den dazwischen liegenden Jahren geht das Gemälde auf eine abenteuerliche Reise, die einst in Wien begann. Erst die New York Times stellt 1998 den Bezug zur NS-Raubkunst her, und Henry Bondi entdeckt so das verschollene Gemälde wieder, welches in den 20er Jahren seiner Tante Lea Bondi gehörte. Immer mehr Ungereimtheiten treten auf: Wer ist der rechtmäßige Besitzer des Gemäldes? Wie kam es in den Besitz der Leopoldstiftung, die es letztlich nach New York verlieh? Und wer war eigentlich Lea Bondi?

In allen vier Folgen zeigen die Filmemacher an beispielhaften Fällen die Verstrickungen von Kunst und Verbrechen auf, sie entwirren das Netz aus Geheimnis und Kriminalität und lassen den Zuschauer im Dunst der rätselhaften Geschehnisse somit nicht alleine. Eine Ermittlungstafel führt immer wieder alle gesammelten Ergebnisse zusammen und bringt so einen roten Faden in jeden Fall. Daraus ergeben sich nicht nur spannende Kriminalfälle, sondern hier wird dem Zuschauer auch der Einblick in die Welt des Kunstmarkts eröffnet, der ihm sonst wohl verschlossen bliebe.

Auf dem Kunstmarkt fließen Schwindel erregend hohe Summen, und das lockt natürlich auch Gauner und Ganoven. Raub, Schmuggel, Fälschungen, Skandale und das organisierte Verbrechen – die Welt der Kunst ist voller packender Kriminalgeschichten, die es zu erzählen lohnt! Doch so skandalös einige Fälle daherkommen, so verschwiegen ist die gesamte Branche. Was sich hinter den Kulissen abspielt – auch in den Kreisen gut betuchter Sammler und Galeristen – bleibt oft ungewiss. Die Dokumentationsreihe „Kunst und Verbrechen“ bringt Licht ins Dunkel. Ilka Franzmann, Carl von Karstedt, Sylvie Kürsten und Andreas Gräfenstein begeben sich in vier Folgen auf Spurensuche: Wer steckt im Fälschungsskandal um die New Yorker Galerie Knoedler unter einer Decke?  Wie kam das geraubte Kunstwerk „Wally“ aus jüdischem Besitz in die Sammlung Leopold? Was motiviert Kunstdiebe und -schmuggler, sich am nationalen Kulturerbe zu vergreifen? Und welche Rolle spielt eigentlich der Kunstmarkt selbst? Wer sich nicht berufsbedingt mit diesem Thema auseinandersetzt, verliert im großen Gefüge um Geld, Macht und organisierter Kriminalität schnell den Überblick. Doch den Autoren gelingt es auf herausragende Weise, uns die großen Zusammenhänge anhand beispielhafter Kriminalfälle näher zu bringen. Wir lernen skrupellose Schmuggler, windige Anwälte, gut informierte Insider und geprellte Opfer kennen. Dabei lassen die Autoren niemals den Gesamtkontext außer Acht. Sie fragen Opfer und  Täter gleichermaßen und decken so die Schattenseiten einer Welt auf, in der täglich Millionen fließen. „Wovon hängt unsere  Wertvorstellung von Kunst ab?“ – fragen wir uns beispielsweise im Hinblick auf die Mona Lisa, deren Popularität selbst  durch einen Raub gesteigert wurde.

Die Reihe begeistert das Publikum durch ihre perfekte Kombination aus Text, Bild und Ton, die der Doku-Reihe eine besondere Dynamik verleiht und trotz vier verschiedener Filmemacher den roten Faden erkennen lässt. Denn Fernsehen kann mehr als „nur“ Geschichten erzählen. Die Macher von „Kunst und Verbrechen“ aktivieren uns als Zuschauer auf allen ihnen möglichen Ebenen: ausgezeichnet recherchierte Inhalte packend erzählt, perfekt kombiniert mit teils frech kommentierenden Musikstücken und einer zeitgemäßen visuellen Gestaltung. Gerade letzteres ist unverzichtbar. Denn das Thema ist hochkomplex, die Verbindungen undurchsichtig. Mit Skizzen, Fotos und Verbindungspfeilen folgen wir der Sprecherin durch das Dickicht der Ermittlungen. Wer hat was mit wem zu tun? Wo befinden wir uns in der Geschichte? Durch die dynamische Gestaltung der Ermittlungstafel behalten wir stets den Überblick, haben das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein, und bleiben dabei immer höchst aufmerksam. Eine großartige Leistung von Andreea und Michael Wende, die die Marler Gruppe für ihre Animationen und Grafiken zusammen mit den vier Autoren mit dem Publikumspreis auszeichnet. Und ja, wo bleiben in dieser Geschichte eigentlich Recht, Moral und Ethik? Da kann man eigentlich nur den lakonischen Schlusskommentar der Sprecherin zitieren: „Außer den beteiligten Anwälten gibt es nur Verlierer.“

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