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Im übrigen bin ich der Meinung, dass…

… nicht die Aufklärer ins Visier der Staatsanwalten geraten sollten, sondern die Täter und die politisch Verantwortlichen. Eben erst hat Daniel Harrich den Grimme-Preis erhalten für seine Recherchen zum Thema Waffenexporte – und jetzt droht ihm eine Anklage.

Sehr ausführlich haben Autor Daniel Harrich und seine Co-Autoren sich mit dem Themenkomplex der Waffenlieferungen von Sturmgewehren von Heckler & Koch in mexikanische Unruheprovinzen befasst: ein Spielfilm, mehrere Dokumentationen und auch ein Buch sind das Ergebnis dieser Recherchen. Die Publikationen führten sogar zu einer Aktuellen Stunde im Bundestag. Auch wurde inzwischen ein Verfahren gegen leitende Mitarbeiter von Heckler&Koch erhoben, wozu die Staatsanwaltschaft freilich mehr als fünf Jahre brauchte.

Daniel Harrich bekam dafür in diesem Jahr den Grimme-Preis für besondere journalistische Leistungen. Bei der Grimme-Preis-Verleihung in Marl verwies er darauf, dass auch Beamte des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesausfuhramtes in dieser Affäre eine fragwürdige Rollen spielen. Jetzt aber haben die Recherchen ihm und seinen Mitstreitern eine Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft eingetragen. Sie sollen Auszüge aus Ermittlungsakten der Behörde veröffentlicht haben.

Die Stuttgarter Zeitung schrieb zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft: „Die Strafverfolger prüfen nun, ob die Veröffentlichung der Dokumente widerrechtlich war, weil diese zu den Ermittlungsakten im Verfahren gegen Heckler & Koch zählten. Auf einigen der Papiere sind handschriftliche Anmerkungen zu lesen, andere beschäftigen sich damit, wie ein Export der Gewehre trotz Einwänden des Auswärtigen Amtes möglich sein könnte. Es geht also bei den Vorwürfen gegen die Journalisten um Geheimnisverrat und Verstöße gegen das Presserecht. Und um Whistleblower, also um mögliche Informanten, die das interne Material weitergegeben haben.“

Die Grimme-Preis-Jury begründete ihre Preisvergabe so: „Die außergewöhnliche investigative Recherche zu „Tödliche Exporte – wie das G36 nach Mexiko kam“ bricht die Undurchdringlichkeit deutscher Waffengeschäfte auf. Dabei ist es dem Autor und Regisseur des Films Daniel Harrich beeindruckend gelungen, Aussteiger und Insider, juristische und fachliche Experten als Zeugen vor der Kamera aussagen zu lassen. Sachlich fundiert klären das Filmmaterial der Waffenexperten und die Interviews mit den Opfern die Ereignisse in Mexiko aus dem Jahr 2011 auf. Die vorgelegten Beweise zeigen zweifelsfrei, wie die Branche funktioniert. Der Grimme-Preis für die journalistische Leistung geht an Daniel Harrich; stellvertretend für ein engagiertes Team, insbesondere Claudia Gladziejewski, Manfred Hattendorf, Hans-Michael Kassel und Thomas Reutter. Eindrucksvoll weisen die Untersuchungen nach: „Der Meister des Todes“ ist immer noch und entgegen aller Regierungsbeteuerungen ein Meister aus Deutschland. Die Jury würdigt damit die mehrjährige, investigative Recherche zum illegalen Handel mit Kriegswaffen, die im Jahr 2015 mit dem Film „Tödliche Exporte – wie das G36 nach Mexiko kam“ für vorbildliches Fernsehen steht. Mit einer beispielhaften Aufbereitung des zusammengeführten Materials in verschiedenen Fernsehformaten wird das Thema durch die beteiligten Journalisten und den SWR sowie den BR in der Öffentlichkeit präsent gehalten.“

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