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Highlights: Tschernobyl, Rüstung, Psychologie

Mit „Chamissos Schatten“ und „Overgames“ sind zwei anspruchsvolle und sehr gegensätzliche Dokumentarfilme in den Kinos. Nicht für den schnellen Bildschirmgenuss, geeignet, aber doch den Weg ins Kino wert. Und im TV einige aktuelle Themen: Ende April jährt sich der Super-GAU von Tschernobyl zum dreißigsten Mal. Da das Fernsehen sich ja sehr stark an Daten orientiert, seien es Katastrophen oder Fürstenhochzeiten, werden die Zuschauer in den kommenden Wochen mit einer Fülle an Katastrophen-Erinnerungen im Programm konfrontiert werden. Den Anfang macht schon mal in dieser Woche der MDR mit „Die Wolke“ von Karin Jurschik. Der Film erinnert aus der Perspektive von 2011, was damals global geschah und wie Angst vor der strahlenden Wolke aus der Ukraine die Gesellschaft veränderte – der Film ist bis heute aktuell.

Ganz aktuell im TV ist aus der Reihe „Akte D“ der Film über das Comeback der Rüstungsindustrie, der sich mit vielen historischen Informationen der Frage annähert, wieso Deutschland, das doch eigentlich nach dem 2. Weltkrieg nie wieder die Welt mit Waffen überziehen sollte, schon seit Jahren wieder zu den größten Waffenproduzenten und Waffenhändlern der Welt gehört (ARD, Mo 18.04.2016, 23.30-015) – auch hier gilt: die ARD könnte ruhig mal etwas früher die arbeitende Bevölkerung mit solchen Fragen beschäftigen.

Ins Kino kommt in dieser Woche der hier schon annoncierte essayistische Film „Overgames“ von Lutz Dammbeck. Auch Ulrike Ottingers Mammutprojekt „Chamissos Schatten“ kommt nun mit dem zweiten Teil in die Kinos. Der „Spiegel“ schrieb über diesen Reisefilm und diese Filmreise: „Überhaupt nähert sich Ottingers Film einer ganz frühen Form des Kinos an, dem es darauf ankam, Dinge und Menschen einfach zu zeigen, und in dem es auch gestattet war, in die Kamera zu schauen. Außer solch persönlichem „Kontakt“ gewährt „Chamissos Schatten“ immer wieder lange Passagen einer teilnehmenden Beobachtung ihres Alltagslebens, etwa beim Fische ausnehmen oder bei der Rentierschlachtung. Es ist nicht zuletzt die Dauer dieser Kamerablicke, die das zunächst Fremde bald vertraut erscheinen lässt.“ Hier noch einmal der Verweis auf ein interessantes Interview im Deutschlandfunk charmanten Titel „Ich stehle nie Bilder“.  Gleichfalls noch in den Arthouse Kinos „Akt“ von Mario Schneider, über den epd-Film geschrieben hat: „Seinen Protagonisten nähert sich der Film beim Modellstehen mit sanften Kamerabewegungen an, ihre Äußerungen kommen, bis auf wenige Ausnahmen, als Töne aus dem Off, eine Behutsamkeit, die sehr für dieses Werk von Mario Schneider einnimmt.“

In „Gestrandet“ erzählt Liesei Caspers von fünf eriträischen Flüchtlingen, die in einem ostsfriesischen Dorf stranden. Der Film, schreibt der „Tagesspiegel“ „entstand lange vor Merkels ‚Wir schaffen das‘ und ist eine Chronik des Scheiterns geworden. Alle meinen es gut mit denen, die durch die Wüste und übers Meer gekommen sind, aber nichts will gelingen“. Der Film sei verdienstvoll, denn er verdeutliche „die Bigotterie einer Gesellschaft, die Integration predigt und die Geflüchteten gleichzeitig im Nirgendwo abstellt“. Seit Anfang April in den Kinos.

Aus den TV- Wiederholungsschleifen

wäre als interessantes Stück „Töte zuerst“ zu erwähnen, ein israelischer Film, in dem sechs ehemalige Geheimdienstchefs die aktuelle israelische Politik einordnen – und diese mit einer Klarheit und Schärfe kritisieren, die man sich hier kaum vorstellen kann. Thomas Gehringer hat diesen Film besprochen (BR, 19.4.2016, 22.30-00.00). In „Unter Menschen“ erzählt Claus Strigel die Geschichte der Versuchsschimpansen aus dem österreichischen,   die zu einer Parabel wird über den menschlichen Umgang mit unseren Mitbewohnern ganz allgemein. (HR, Do 21.04.2016, 00.05-01.45, So 24.04.2016, 01.30-03.00).

Noch in den Mediatheken zu finden sind Marcel Wehns Film „Ein Hells Angel unter Brüdern“, Laura Poitras‘ „Citizen four“ und „Schon hier, noch da“ von Roswitha Ziegler.

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