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Nach der Hochzeit. Von Antonia Lerch

„Nach der Hochzeit“ ist ein Langzeitprojekt von Antonia Lerch.  Vor 17 Jahren hat die Berliner Autorin einen Film mit einer jungen Deutschtürkin in Kreuzberg gedreht, deren Eltern ihr den Namen Berlin gegeben haben. „Vor der Hochzeit“. ZDF Kultur, Mi 09.03.2016, 20.15. Und „Nach der Hochzeit“, ZDF Kultur, Mi 09.03.2016, 21.40

Der erste Film hieß „Vor der Hochzeit“. Darin ging es um Zukunft, um türkische oder deutsche Identität, um Tradition und Selbständigkeit. Berlin hatte sich eine Liebesheirat gewünscht, sich letztlich doch dem Willen der Eltern nach einer arrangierten Hochzeit gefügt. Das ging schief. Jetzt also „Nach der Hochzeit“. Und wieder geht es um diese Fragen. Berlin hat inzwischen einen Sohn, einen Job, eine Scheidung hinter sich und noch eine Zukunft vor sich, über die sie sehr nachdenkt. Sie diskutiert mit ihrem Bruder, ihrer Familie. Von den Eltern lässt sie sich schon lange nicht mehr in ihr Leben reinreden.

Antonia Lerch  hat als Regisseurin die besondere Fähigkeit, eine Situation herzustellen, in der alle Beteiligten so unbefangen reden, als sei keine Kamera in der Nähe. Sie hat viele dieser Gespräche gedreht und beschreibt ihre Arbeitsweise so: „Die Handkamera und der externe Originalton bieten mir die Möglichkeit, schnell auf die Protagonisten zu reagieren. Die Kamera läuft immer. Hohes Drehverhältnis. Nach spätestens einer Stunde haben die Protagonisten die Präsenz der Kamera und des Mikrofons fast vergessen. Sie reden so miteinander, wie sie immer miteinander reden. Ich lasse die Gespräche laufen, interveniere nur, wenn sie in eine Richtung gehen, die nichts mehr dem Thema zu tun haben, das wir vorher gemeinsam gefunden hatten. Immer geht es um ein aktuelles Ereignis, das die Protagonisten gerade bewegt.“

So ist „Nach der Hochzeit“ ein Film geworden, der fast nur aus Gesprächen besteht und manchmal kommt man sich ein wenig vor wie in Filmen von Eric Rohmer. Man wird allmählich reingezogen ins Palaver, beginnt zuzuhören, auf die Zwischentöne zu achten. Beziehungen zwischen Menschen ändern sich, Ansichten kehren sich in ihre Gegenteil, Wünsche werden nicht kleiner sondern größer. Entwicklungen werden sichtbar und man beginnt mit den Protagonisten zu hoffen, ihre Pläne mögen sich erfüllen. Nur die nichtssagenden Stadtansichten, die Antonia Lerch als eine Art Atempause  eingeschnitten hat, stören mehr als sie nützen.

 

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