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„DDR Ahoi!“. Von Lutz Pehnert

,Dass die DDR einmal eine der weltweit größten Fangflotten auf den Weltmeeren unterwegs hatte, ist heute weitgehend unbekannt. Und dass Seemann ein Traumberuf in der DDR war, weil man damit weit herum kam, lässt sich denken. Lutz Pehnert rekonstriert in „DDR Ahoi“ (2010) ein Stück spannender Industrie- und Sozialgeschichte (Teil 1  RBB, Mo 21.3.2016, 15.15-16.00:; Teil 2 Di 22.3.2016, 15.15-16.00, Teil 3 Mi 23.3.2016, 15.15-16.00 )

Die DDR als Seefahrernation – das kann man sich heute kaum noch vorstellen. Hatte man sich im neu gegründeten DDR-Staat auch nicht vorgestellt. Aber dann beschloss die Führung des Landes, eine eigene Handels- und Fischereiflotte aufzubauen, um Devisen zu sparen. Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht. Es gab kein einziges fahrtüchtiges Schiff und die Hafenanlagen von Rostock, Stralsund, Wismar und Saßnitz lagen in Trümmern. Auf ihrem Höhepunkt fuhren für die DDR-Schifffahrt dann über 180 Handelsschiffe und 100 Fangschiffe und auch zwei Kreuzfahrtschiffe, von denen eins, die „Astor“ als Fernseh-Traumschiff auch über die Bildschirme schaukelte.

Über 10.000 Matrosen waren auf DDR-Schiffen überall in der Welt unterwegs und einige von ihnen erzählen in Lutz Pehnerts Dokumentarfilm „DDR Ahoi!“, was es bedeutete, in diesem Land Seefahrer zu sein. Natürlich war das vor allem auch ein Traumberuf, denn die Männer (später arbeiteten auch Frauen auf den Frachtern und Trawlern)) kamen in die Länder, von denen die anderen nur träumen durften. Es bedeutete freilich auch ständiges Misstrauen, die Matrosen könnten sich im Ausland absetzen. Mit dem Niedergang des sozialistischen Staats begann auch die Flotte zu sinken. Die DDR-Schifffahrt verpasste die Entwicklung hin zur Containerschifffahrt (etwa so, wie sie die Entwicklung der Elektronik verpasste und es grade noch bis zum 1-MB-Chip schaffte). Das Ende ist dann sehr unromantisch, die Flotte wird aufgelöst.

„DDR Ahoi!“ böte ausreichend Stoff für einen nostalgischen Rückblick, aber der Tonfall des Films ist sachlich und ruhig und entwirft über die individuellen Geschichten, Erinnerungen und Einschätzungen ein facettenreiches Bild. Die ehemaligen Seefahrer erzählen Geschichten von ihren Träumen und Erwartungen, von merkwürdigen Abenteuern, auch von ständiger Kontrolle von Partei und Stasi. Sie erzählen aber auch von Alltäglichem, etwa von dem gescheiterten Versuch, Tintenfisch in der DDR als Delikatesse schmackhaft zu machen – er wurde an Japan verkauft. Für die DDR gab es Fischstäbchen und „Rügener Fischpaste“.

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