Permalink

0

Highlights: Kuaför, Bang-Bang Club und zwei Syrer auf Winterreise

Diese Woche schöne Aussichten auf interesssante Filme, im Kino wie auf dem Bildschirm – manche nur angetippt, andere ausführlich vorgestellt – wie immer: work in progress. Vor mehr als zehn Jahren explodierte in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe. Damals wusste noch niemand etwas von der Blutspur des NSU. Aber die Polizei war auch auf dem rechten Auge blind und ermittelte nur in der türkischen Community. Sie versuchte aus den Opfern Täter zu machen. Davon erzählt jetzt der Dokumentarfilm „Der Kuaför aus der Keupstraße“, der in dieser Woche in einige Kinos kommt; hier die Kritik.

Hinweisen wollen wir auf einige neue Dokumentarfilme im Fernsehen, die einiges versprechen, aber einfach noch nicht gesichtet werden konnten ( es besteht beste Absicht, sie im Lauf der Woche noch zu sichten und hier vorzustellen. Erstmal hier noch die Hinweise) . In die Kinos kommt „Als wir die Zukunft waren“: sieben bekannte Filmemacher der DDR, unter ihnen Andreas Voigt und Peter Kahane, bereden ihre Vergangenheit.

Zwei Syrer, die in Deutschland um Asyl ansuchen, reisen zwei Wochen lang durch Deutschland. Was sie dabei erleben, wie sie das Land sehen und woran sie dabei denken, davon erzählt „Unser Deutschland – Zwei Syrer auf Winterreise“ von Thomas Lauterbach nd Johanna Behre (3Sat, Mi 24.02.2016, Teil 1 20.15, Teil 2: 21.00; hier die Kritik)

Spannend klingt auch „Wie Hollywood Ceausescu stürzte“ von Ilinca Calugareanu, der davon erzählt, wie Videorekorder und Hollywoodfilme die Wahrnehmung im kulturell isolierten Rumänien veränderten (Arte Mi 24.02.2016, 23.15-00.25). Und der film über „Boris Nemzow – Tod an der Kremlmauer“ dürfte auch näherer Betrachtung wert sein (Arte, Di 23.02.2016, 21.55-23.30)

Dann zeigt der WDR „Unter Beschuss – Auslösen. Der Bang-Bang Club“ von Marc Wiese. Der Dokumentarfilmer erzählt die Geschichte von vier jungen südafrikanischen Fotografen, die in die Townships gingen, berühmt wurden und von denen am Ende zwei ihr Engagement mit dem Leben bezahlten (WDR, Di 24.02.2016, 23.25-00.05). Zwei junge Syrer hat 3Sat auf Winterreise durch Deutschland geschickt, das dokumentarische Roadmovie von Thomas Lauterbach „Unser Deutschland“ zeigt 3Sat gleichfalls am Di, 24.02.2016 in zwei Teilen ab 20.15 – sensationeller Sendeplatz für einen Dokumentarfilm. Dass viele sich in Liebesdingen schwer tun, zeigt nicht nur „Love and Engineering“, den Arte am Fr, den 26.2.2016 spät nachts, um 02.35 in der Wiederholungsschleife im Programm hat (hier die Kritik), sondern auch „Match me! Wer passt zu mir“ von Lia Jaspers, diesmal geht es nicht um Nerds, die Frauen hacken wollen, sondern um Frauen, die die Liebe auf etwas esoterischere und romantischere Weise suchen (Arte, Fr 26.02.2016, 23.15-00.10).

Aus den Wiederholungsschleifen des Fernsehens haben wir in dieser Woche wieder einige Preziosen herausgefischt. Dazu gehört zweifellos „Waltz with Bashir“, ein dokumentarischer Animationsfilm von Ari Folman. Wurde zwar schon oft gesendet, aber vielleicht haben ihn einige doch noch nicht gesehen – unbedingt anschauen (RBB Sa 27.02.2016, 23.05-00.30; hier die Kritik) Und wer sich gleich einen langen Animationsabend genehmigen will, dem liefert der RBB gleich noch „Persepolis“ von Marjane Satrapi hinterher, einen ganz wunderbaren Film, der mit leichter Hand die schwere Geschichte einer Emigration erzählt (RDD Sa 27.02.2016, 00.30-02.00)

Immer wieder gut zu sehen sind Filme von Michael Moore, wenn man sich auch über die Dominanz und Selbstbespiegelung des Autors ärgern mag. Jetzt zeigt der NDR den agilen Dicken nochmal in „Sicko“ auf der Suche nach guten Krankenversicherungen außerhalb der USA. Wenn demnächst Obama nach Kuba fährt, wird man mit umso größerem Genuss die Szene ansehen, in der der Regisseur drei Kähne mit Kranken nach Kuba schippert, damit sie dort kostenlos kuriert werden (NDR, Di 23.02.2016, 00.35-02.30).

Nach längerer Pause mal wieder zu sehen „Im Tal der großen Buddhas“ von Christian Frei, der, von heute aus gesehen, den Beginn der großen Kulturvernichtungen der Islamisten markiert (Phoenix, Sa 27.02.2016, 22.30-00.00; hier die Kritik). Dada wird 100, da dürfte der Film von Alexander Kluge „Was ist Dada“ auf ARD-Alpha vermutlich die interessanteste Reminiszenz sein (ARD alpha, Fr 26.02.2016, 21.00-22.30). Und da Film und Fernsehfilm Fritz Bauer als bedeutende Figur der Nachkriegsgeschichte entdecken, mit „Die Akte General“ etwa, sei auch noch der sehr kenntnisreiche und kluge Dokumentarfilm von Ilona Ziok empfohlen, „Fritz Bauer – Tod auf Raten“ (SWR, Mi 24.02.2016, 23.30-01.05). Und der Film aus Handyvideos „My escape“ ist jetzt auch auf dbate.de zu sehen; hier die Kritik.

Viel Film also in dieser Woche – und was sonst noch läuft, ist, ohne jede Wertung, zu finden in der Rubrik: Was sonst noch läuft.

Kommentare sind geschlossen.