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Highlights: Invasoren, Erinnerungen, Verschollenes

Diesmal tut sich mehr im Kino, nicht nur die Wiederbegegnung mit Michael. Im Fernsehen zwei interessante neue Arbeiten über Muslime und die Angst vor der Sexualität der Frauen. Und die Wiederentdeckung eines verschollenen Films von Jerry Lewis, der nicht nur lustig war. Einige interessante Dokumentarfilme sind diesen Donnerstag in die Kinos kommen und haben hoffentlich noch eine längere Laufzeit in den diversen Arthouse-Kinos. Das heißt: in etwas größerem Rahmen bewegt sich Michael Moores neuer Film „Where to Invade Next“ mit einer brillanten satirischen Ausgangsidee. Der Film lief auf der Berlinale mit großem Publikumserfolg, mal sehen, wie er sich im Kino-Alltag bewährt. Kritiken zum Film sind überall erschienen. „Ihr in Europa macht eine Menge richtig. Ihr habt es lieber friedlich, anstatt dauernd in den Krieg zu ziehen“, sagte der Entertainer in einem Interview mit dem österreichischen „Standard“. ,

Zu „Der Kuaför aus der Keupstraße“ hat wolfsiehtfern wir schon in der vorigen Woche einige Worte gesagt. Der „Freitag“ hatte dazu eine interessante Idee. Matthias Dell interviewte den CDU-Abgeordneten Clemens Binninger zu seinen Erfahrungen mit Polizei und Recherche gegen Rechts – aus Anlass dieses Films. Binninger ist Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses. Ein Realitätscheck sozusagen, der auch etwas davon erzählt, dass Filme außerhalb der Community doch immer noch etwas anders gesehen werden.

Einen zeithistorischen Rückblick liefert der Kino-Dokumentarfilm „Als wir die Zukunft waren“. Sieben Regisseure, die gemeinsam an der Filmhochschule Babelsberg studiert und dann für die DEFA gearbeitet haben, erinnern sich an ihre Kindheit in der DDR, an Hoffnungen, Träume, Enttäuschungen. Melancholisch, aber nicht sentimental und ein Blick in das Innenfutter der Gesellschaft der DDR.

Im Fernsehen keine großartigen Neuankündigungen, obwohl doch die ARD nach ihren jüngsten Ankündigungen im Durchschnitt täglich zwei dokumentarische Premieren abliefert, Dokumentationen inbegriffen. Zu annoncieren sind wenigstens zwei Filme, die bisher nur auf Arte liefen. „Jungfrauenwahn“ von Güner Yasemin Balci ((ZDF, Mo 29.02.2016, 23.45–01.10). Ihr Thema ist der Horror muslimischer Männer vor weiblicher Sexualität. Der Film porträtiert vier Persönlichkeiten, den Psychologen Ahmad Mansour, die Anwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates, die Aktivistin Zana Ramadani und die Studentin Arife Yalniza, alle säkulare Muslime, in ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Der Film ist schon bei seiner Erstaufführung bei Arte viel besprochen worden. Jetzt zeigt ihn das ZDF in der Reihe „Kleines Fernsehspiel“. Das ist bekanntlich der einzige Dokumentarfilmplatz, den das ZDF noch hat und entsprechend ist auch die Sendezeit.

Jerry Lewis war einer der berühmtesten Komiker des US-Films. Einen seiner Filme aber hat niemand gesehen, „The Day The Clown Cried“. Er wurde nie gezeigt und galt als verschollen. Jerry Lewis bezeichnet den Film als seinen schwierigsten und persönlichsten. Die Geschichte handelt von einem deutschen Zirkus-Clown, der sich abfällig über Adolf Hitler äußert und deshalb in ein Konzentrationslager kommt. Grimmepreis-Träger Eric Friedler hat die Geschichte des Films rekonstruiert und auch Jerry Lewis, der am 16.3.20106 seinen 90. Geburtstag feiert, vor die Kamera bekommen. Wolfsiehtfern wird den Film noch gesondert vorstellen (NDR, Fr 05.03.2016, 22.35-00.30)

Und mit „Citizen four“ von Laura Poitras über den Whistleblower Edward Snowdon ist der NDR in dieser Woche einen der wichtigsten Dokumentarfilme noch einmal im Programm. Der Film bekam 2015 einen Oscar und hat an Aktualität nichts verloren. Wann immer wir Neuigkeiten von NSA und BND hören, mit Edward Snowdon hat das alles angefangen (NDR, Di 01.03.2016, 00.00-01.45)

Aus der Wiederholungsschleife hat wolfsiehtfern weiters noch herausgefischt Andreas Dresens überzeugendes Porträt eines CDU-Abgeordneten, „Herr Wichmann aus der dritten Reihe“ (HR, Do 03.03.2016, 00.20-01.40 und So 07.03.2016, 03.00-04.30, klasse Sendezeit). Die Sprengung der Buddhastatuen in Afghanistan im März 2001 hat Christian Frei in „Im Tal der großen Buddhas“ erzählt (Phoenix, Do 03.03.2016, 02.15-03.45, auch für Nachtportiere). „Willkommen auf Deutsch“ von Carsten Rau und Hauke Wendler, der Titel stammt aus einer Zeit, als man für das Wort Willkommen noch nicht gedizzt wurde, ist schon viel in den Sendern herumgekommen, jetzt auf ARD-alpha (Fr 04.03.2016, 21.00-22.30). „Unser Deutschland – Zwei Syrer auf Winterreise“ ist noch in den Mediatheken von 3SAt und ZDF zu finden.

Und was sonst noch anfällt, findet sich, ohne jegliche Bewertung, unter „was sonst noch läuft“.

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