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Highlights: Samir, Wildenhahn, Imbach

Es geht im Neuen Jahr weiter wie im alten: Dokumentarfilme meist nur sehr spät oder, zu besserer Sendezeit, in den Spartenkanälen. wolfsiehtfern hat wieder nach Perlen gefischt.

Schon mehrfach hier erwähnt, jetzt mit dem Kinostart endlich auch vor größerem Publikum in den einschlägigen Kinos zugänglich: „Iraqi Odyssey“ des irakischstämmigen Schweizer Regisseurs Samir – eine große Familiensaga über die Familie des Regisseurs, die über die ganze Welt verstreut lebt und zugleich eine interessante und wichtige Geschichte des gesamten Nahen Ostens. Der Film dauert in der Fassung des Regisseurs drei Stunden und ist in 3D gedreht. Die Fassung, die in den meisten Fällen in die Kinos kommt, hat Spielfilmlänge und läuft auf 2D. In einigen Städten aber gibt es wenigstens eine Aufführung der langen Originalversion, die unbedingt zu empfehlen ist. Kinotermine, teilweise mit Anwesenheit des Regisseurs. kann man vor Ort erfragen. Der Film startet am 11.01.2016 seine Deutschlandtournee in Düsseldorf; hier die Kritik. Dazu noch als großes Web-Projekt http://www.iraqiodyssey.ch, das auch dazu dienen soll, die visuelle Geschichtsschreibung des Irak zu retten; die Filmarchive sind in den Kriegen alle zerstört worden.

„Experimentell“ nennt Timo Großpietsch seinen Dokumentarfilm „Stadt“. Ein Tag im Leben der Stadt Hamburg, rein übers Bild erzählt, mit einem interessanten, sehr dominierenden Soundtrack von Vladyslav Sendecki, zugleich ein Film mit ungewöhnlichen Perspektiven und Drehorten, der alles meidet, was an Hamburg-Klischees rühren könnte. Der NDR strahlte den Film zur dokumentarfilmtypischen Zeit am 09.01.2016 um 23.25 Uhr aus, derzeit steht er in der Mediathek des NDR auf Abruf.

Eine Generation Filmemacher früher: auch zu sehr später Stunde strahlt der NDR ein kleines Klaus-Wildenhahn-Paket aus. Um Mitternacht zeigt der Sender erst „Freier Fall: Johanna K.“, die ungewöhnliche Lebensgeschichte einer Transsexuellen (12.01.2016, 00.00-01.35) Darauf folgt „Noch einmal HH 4: Reeperbahn nebenan“, eine Studie über Menschen in St. Pauli, HH 4 bezieht sich auf die damalige Postleitzahl (12.01.2016, 01.45-02.35). Danach „Stilllegung Oberhausen / Hattingen“, der die Schließung des Thyssen-Stahlwerks in Oberhausen und die Folgen für die Menschen in der Region dokumentiert (16.01.2016, 02.35-04.00). Und dann wäre schon wieder Platz für Frühaufsteher „Ostende 3 Uhr nachmittags. Der Filmemacher Klaus Wildenhahn“, ein sehr schönes und der Arbeitsweise Wildenhahns adäquates Porträt von Quinka Stöhr (16.01.2016, 04.00 – 05.00). Hier die Kritik.

Noch ein Dokumentarfilm, ein Autorenfilm, der sich ganz auf den Alltag konzentriert, ohne Einmischung eines Kommentars: „Day is Done“ von Thomas Imbach. Der Mann hinter der Kamera sucht aus dem Fenster seines Ateliers ein Bild, viele Bilder entstehen aus der immer gleichen Einstellung, über den Verlauf von vielen Jahren. Dazu auf der Tonebene Nachrichten aus dem Anrufbeantworter, unbeantwortet, eine Chronik alltäglichen Lebens, eine Stadtlandschaft und eine innere Landschaft (Arte, Mo, 11.01.2016, 00.00 – 01.45)

ZDF Kultur, der Sender, auf dem immer wieder mal interessante Dokumentarfilme wiederholt werden, bündelt am Mi, den 13.01.2016 eine ganze Reihe interessanter und vielversprechender Filme, beginnend zu guter Sendezeit. Könnte für Dokumentarfilmfreunde ein ganzer spannender Fernsehabend werden. Zunächst „Lagos –Notizen einer Stadt“, von Jens Wenkel. Ein Film über die zweitgrößte Stadt Afrikas und über den nigerianischen Musiker Fela Kuti und seine Erben (13.01.2016, 20.15-21.50). Danach erzählt Dorothee Wenner von drei nigerianischen Geschäftsleuten, die in Deutschland nach Investoren und Partnern suchen – ein Zusammenprall zweiter Geschäftskulturen. Mit „Rich Brother“ führt Insa Onken in die Geschichte eines Profiboxers aus Kamerun, der von seiner Familie nach Deutschland geschickt wird, ins zwielichtiger Boxer-Milieu Berlins gerät und schließlich doch noch an einen Weltmeisterschaftskampf kommt (13.01.2016, 23.10-00.50); hier die Kritik. Danach gehen die beiden Filme über Nigiera in die Wiederholungsschleife. Es folgen zwei kurze Dokumentarfilme, „Bollywood Boy“ von André Hörmann über Tanay, der Kinderdarsteller aus „Slumdog Millionaire“ (03.45-04.15) und danach „Der Vorführer „ von Grimmepreisträger Shaheen Dill-Riaz über einen Zehnjährigen, der in Chandpur in Bangladesh als Filmvorführer arbeitet und den Kontrast zwischen der Traumwelt und seinem Alltag erfährt (04.15-04.45).

Aus den Wiederholungsschleifen herausgefischt werden konnte noch „“Akte D – Die Macht der Stromkonzerne“ von Florian Opitz, aus dem Dreiteiler „Akte D“, der einen neuen Trend für Fernsehzeitgeschichtsschreibung markiert (WDR, 13.01.2016, 22.40-23.25; Sa 16.01.2016, 13.25-14.10); hier die Kritik. Die neuere Liaison des Dokumentarfilms mit dem Animationsfilm kostet „Meisterdiebe im Diamantenfieber. Die Geschichte der Pink Panther“ ausgiebig aus (HR, So 14.01.2016, 00.10-01.35); hier die Kritik. „Der Banker. Master of the Universe“ von Marc Bauder ist schon fast ein Dauerläufer in den Dritten und den Spartenkanälen, in dieser Woche nochmal auf Phoenix gelandet (So 16.01.2016, 22.30-00.00); hier die Kritik. Und auf wolfsiehtfern erstmals besprochen und zwar von Heike Huppertz „Die Arier“ von Mo Asumang, auch schon auf vielen Sendern gelaufen und diesmal auf ZDF Info, am So, den 17.01.2016, 16.30-18.00; hier die Kritik von Heike Hupertz.

Was sonst noch läuft, findet sich, wie immer ohne jegliche Wertung, in der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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