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„Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen“. Von Barbara Weber

Der Film passt zur Musik wie der Deckel zum Topf. Eigensinnig, sperrig, vergnüglich, bayrisches Kunstbiotop. Ein Filmstück mit vier sehr entspannten Musikern. BR, Di 15.12.2015, 22.00-23.30

Kofel heißt der Hausberg von Oberammergau, ein spitzer Zinken, vom dem sich schön auf die Festspielstadt herunterschauen lässt. Aus Oberammergau kommen auch die vier Musiker von „Kofelgschroa“. Dass man sich schon bemühen muss, das „Gschroa“ als „Geschrei“ und zugleich als ironische Umschreibung ihrer Musik zu verstehen, gehört zum Programm der Musik wie auch zum Programm des Films, in dem Barbara Weber diese Gruppe porträtiert. Sechs Jahre hat sie gedreht, alles aus eigener Tasche finanziert, also ein Film, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Glücklicherweise gibt es ihn doch.

„Kofelgschroa“, das sind vier Musiker in ungewöhnlicher Besetzung. Maxi Pongratz spielt Akkordeon, Matthias Otto Meichelböck bläst das Tenorhorn und die Brüder Martin und Michael von Mücke spielen Tuba, Flügelhorn und Gitarre. Blasmusik mit Gesang eben. Die vier kommen aus Oberammergau, sind Mitte 20, gelernter Holzschnitzer, Schmied, Automechaniker, Gärtner. Ihre Musik ist grad ziemlich angesagt, auch außerhalb von Oberbayern, vielleicht auch im Gefolge von Erfolgen wie von La Brass Banda, eine Art Volksmusik-Pop. Im Film treten sie auch in Berlin auf und sogar eine Stippvisite an die Ostsee ist drin – sie sind sehr beeindruckt von sehr viel Flachheit, Fläche und Himmel.

Ihre Texte erschließen sich ohne Bayrisch-Kenntnisse nicht so schnell. Sie gehören eher in eines der bayrischen Kunstbiotope, in denen auch Figuren wie Karl Valentin oder Ringsgwandl aufblühen. Besonderes Kennzeichen: Eigensinn, etwas kauzig, gern ein bisschen absurd. Bayrisch Dada. Als eine Reporterin fragt, was für eine Musik sie denn machen: „Wir wiederholen halt. Das is was Zeitgemäßes, oder?“.

„Kofelgschroa“ ist ein Film über Musiker, aber kein Musikfilm. Sondern einer über eine Lebenshaltung. Die Band kommt beim Publikum auch deshalb gut an, weil die vier bei sich geblieben sind, sich trotz professioneller Orientierung nicht dem Betrieb überantworten. Sie machen die Musik, die sie wollen. Im Film reden sie auch über ihre Zweifel, Unsicherheiten, über all das Nichtglatte. Sie waren als Band auch schon mal getrennt, haben dann wieder zueinandergefunden. Und singen dann Texte aus einem irgendwie poetischen Alltag: „“Die Wäsche trocknet an der Sonne, die Wäsche trocknet auch am Wind, die Wäsche trocknet auch am Licht – wie schön ist das eigentlich“. Und als Martin von Mücke einmal gefragt wird, was ihm an seinen Ziegen so gut gefalle, sagt er einfach: „Dass sie Zeit haben“.

Der Film passt, wie gesagt, zur Musik. Selten so entspannt mit entspannter Musik und entspannten Leuten Umgang gehabt.

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