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Highlights: Kulturwandel, Klimawandel, Flucht

Zwei interessante Dokumentarfilme, die im Kino laufen, zwei, die schon erfolgreich im Kino liefen und jetzt im Fernsehen gezeigt werden und dabei Themen von Belang, global wie lokal. Es bleibt spannend mit dem Genre. Im Kino steht es vor Weihnachten um den Dokumentarfilm eher flau. Aber auch ungesehen empfehlenswert dürfte sein „Der Perlmuttknopf“ von Patricio Guzman. Der chilenische Regisseur wurde berühmt in den 70er Jahren mit seiner fünfstündigen Trilogie „Die Schlacht um Chile“, zuletzt war hier in den Kinos „Nostalgie des Lichts“ zu sehen, ein Essayfilm. In allen seinen Filmen spielt Chile eine zentrale Rolle, der Militärputsch 1973 vor allem, das Schicksal der Ureinwohner, Fragen der Demokratie und Fragen nach der Zukunft. In „Der Perlmuttknopf“ geht es Guzman um Rhythmus und Kraft des Wassers, um den Pazifischen Ozean, um das Schicksal der indigenen Völker und, natürlich, wieder um die Verbrechen des Pinochet-Regimes. Wie „Nostalgie des Lichts“ ist auch dies, folgt man den Kritiken, ein ruhiger, in sich ruhender Essayfilm. Ab dem 10.12.2015 in den Kinos.

Gleichfalls noch in den Kinos läuft „Aus dem Abseits“ von Simon Brückner, ein Porträt des Sozialpsychologen Peter Brückner, eines der führenden Intellektuellen der 68er Bewegung, der heute fast völlig vergessen ist. Eine überfällige Wiederentdeckung. Hier die Kritik.

Im Kino war der Film erfolgreich und ist es immer noch, inzwischen auch im Ausland: „Göttliche Lage“ von Ulrike Franke und Michael Loeken. Sie erzählen, wie in Dortmund an dem Ort, wo ehemals ein Stahlwerk stand, ein Freizeitparadies hin gewuchtet wurde. Gentrifizierung, De-Industrialisierung, Weg von der Industrie, rein in die angebliche Freizeitgesellschaft, das sind die Themen dieses höchst sehenswerten, manchmal zum Schreien komischen und dabei sehr ernsthaften Film. Auch zu begreifen als letzter Teil einer Trilogie über das Ruhrgebiet. Jetzt zu einer einigermaßen erträglichen Sendezeit auf Arte, am Freitag, den 11.12.2015, 22.40-00.25. Unbedingt zu empfehlen. Hier die Kritik.

Klimapolitik und Klimawandel sind derzeit ein in der Öffentlichkeit breit behandeltes Thema. Und „Thuletuvalu“ liefert dazu den dokumentarischen Unterbau. Mathias von Gunten hat an zwei sehr gegensätzlichen Orten der Welt gedreht, in denen der Klimawandel keine wissenschaftliche Projektion mehr ist, sondern harte Realität: In der Arktis und in der Südsee. Ein Doppelporträt zweier Regionen, konkret, genau und poetisch. 3Sat, am Sonntag, den 13.12., 22.00-23.35, als Alternative zum Sonntagstalk (aber nicht mehr zu Günter Jauch). Hier die Kritik.

In den Wiederholungsschleifen der diversen TV-Kanäle tauchen zwei Filme auf, die einen Beitrag für Flüchtlingsdebatte liefern. „Das Golddorf – Asyl im Heimatidyll“ von Caroline Genreith, in dem Heimatlose und Heimatliebende unmittelbar aufeinander treffen und zwar etwas anders, als Seehofer und Söder das gern darstellen (rbb, Di 08.12.2015, 22.45-00.00). Und in „Leaving Greece – Fluchtpunkt Griechenland“ erzählt von der langen und widrigen Flucht dreier junger Afghanen (ARD alpha, Fr 11.12.2015, 20.15-21.35); hier die Kritik. Und dazu ein besonders eindrucksvoller Film über den Südsudan und einen Protagonisten, der den Frieden suchte und dem Krieg nicht entkommen konnte (ZDF, Kultur. Mi, 09.12.2015, 20.15-21.45). Der Film bekam 2015 den Grimme-Preis, hier die Begründung der Jury.

Dreimal Musik noch, ohne inhaltliche Wertung. Der 2014 verstorbene, immer noch vermisste Horst Königstein hat sich immer mit populärer Kultur befasst, mehrere Filme und Fernsehreihen dazu gedreht – jetzt sucht die Dokumentation „Lost in Music“ dazu einen Überblick zu geben (NDR, Mo 07.12.2015, 23.15-00.00). Billie Holiday ist eine der Lichtgestalten des Jazz, eine von Mythen und Legenden umrankte Figur. „Billie Holiday – A Sensation“ verspricht das realistische Bild hinter den Legenden (SWR, So 13.12.2015, 10.25-11.15) ebenso wie „Frank Sinatra – Die Stimme Amerikas“ von Annette Baumeister (Arte, So 13.12.2015, 21.45-23.15).

Und was sonst noch läuft, findet sich, ohne jegliche Wertung und ohne jedes Ranking, unter der Rubrik „Was sonst noch läuft“.

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