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„Everyday rebellion“ von Arash und Arman T. Riahi

Der größte Fehler, sagt Mike Nonnano von den „Yes men“, sei, nicht zu rebellieren. Man akzeptiere dann den gesellschaftlichen Kollaps. Aber wie rebellieren? Mit welchen Methoden und welcher Phantasie? Ein dokumentarischer Essay über gewaltfreien Widerstand. (ZDF kultur, Mi 11.11.2015, 22.40-23.30)

Die beiden Österreicher Arash und Arman T. Riahi, als Kinder vor der Repression im Iran geflüchtet, legen mit „Everyday rebellion“ einen dokumentarischen Essay vor, der sich mit den verschiedensten Formen gewaltfreien Widerstands befasst. In episodischer Form werden die Zuschauer konfrontiert mit politischen Bewegungen weltweit, von Femen aus der Ukraine über Wallstreet Occupy bis zur Bewegung gegen Zwangsräumungen in Spanien.

Oft sind die Aktionen sehr einfallsreich. Polizisten zu umarmen, mit Clowns und Gelächter das Auftreten von Staatsmacht unterlaufen, sich mit Verhaltenstrainings zu wappnen bis hin zum Einsatz von „peoples microphone“ in den USA: Weil bei den Demonstrationen der Occupy-Bewegung Megaphone und Lautsprecher verboten waren, entwickelten die Demonstranten die Methode, selbst die Sätze der Redner zu wiederholen und so zu vervielfältigen, in der Lautstärke wie in der Reichweite.

Besonders einfallsreich zeigt sich etwa der Serbe Sdra Popovic, der die Oppositionsbewegung Otpor! gründete, ein Spezialist für zivilen Ungehorsam und gewaltfreien Widerstand. Er formuliert auch am deutlichsten, welche politische Kraft diese Widerstandsform entwickeln kann. Über Ghandi sag er zum Beispiel: „Ghandi hat nicht gewonnen, weil er Buddhist war, sondern weil er wusste, welche Schlachten man gewinnen kann“. Und über Symbolpolitik und soziale Medien: „Der wirkliche Kampf wird immer in der realen Welt ausgetragen. Alles andere ist Klicktivismus“ – ein Wort, das man sich merken kann.

„Everyday rebellion“ ist ein klassischer Bewegungsfilm, der es darauf angelegt hat, emotional zu wirken und zu überzeugen und Übereinstimmung herzustellen. Indem die Autoren das Gemeinsame an den weltweit verschiedenen Widerstandbewegungen hervorheben, vernachlässigen sie freilich die historischen und politischen Unterschiede in den Bedingungen des Widerstands. So einfach ist es mit der Vergleichbarkeit denn doch nicht. Es macht schon einen Unterschied, ob eine Aktivistin im Iran, Jahre nach den Massakern von 2009, sich fast nur heimlich äußern kann, weil sie für ihre Familie mit äußersten Repressionen rechnen muss oder ob gut gelaunte Aktivisten mit symbolischen Aktionen Bankfoyers besetzen, damit die Medien Bilderfutter bekommen.

Gleichwohl liefert dieser Film einen aufschlussreichen Überblick über das, was Menschen sich einfallen lassen, wenn sie mit den Verhältnissen nicht einverstanden sind. Man trifft auch auf so manche eindrucksvolle Szene. Wie etwa die über ein Tribunal in Den Haag, bei dem die Verbrechen der islamischen Republik im Iran symbolisch auf dem Pranger standen. Oder über eine Aktion der Frauen von Femen vor der ägyptischen Botschaft in Paris, wo sie den Polizisten, die eigentlich den Platz räumen sollten, so direkt und unwiderstehlich in die Augen sahen, dass Gewalt ausblieb und sich bei dem einen oder anderen der harten Männer der Anflug eines Lächelns zeigte.

 „Everyday rebellion“. Von Arash und Arman T. Riahi. A, CH 2014. Arte, Di 03.03.2015, 23.20 – 00.20 Uhr

http://www.everydayrebellion.net

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