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Empathie, Ordnungssinn, Krisengefühl

Mit einer fulminanten Rede von Sabine Rollberg über die Notwendigkeit des Dokumentarfilms setzen wir in dieser Woche einen Schwerpunkt.Hervorstechend aus dem Angebot dieser Woche: „Vom Ordnen der Dinge“ von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, ein Film über Ordnungsfanatiker aller Couleur und über eine Welt, die vermessen und gewichtet werden will. Hier die Kritik. Und was geschieht, wenn Geld und Gier die Menschen in den Städte zu verdrängen beginnt, erzählt der Film „Wem gehört die Stadt“, den der HR am Sonntag sendet, natürlich spät nachts, damit nicht allzuviele Menschen diese sehr klare und aufklärerische Statement zur Kenntnis nehmen können. Hier zum Nachlesen. Und Samirs Film über das Schicksal einer, seiner irakischen Familie, ist noch in den Kinos und am 3.11. 2015 in voller Länge auf der Duisburger Filmwoche zu sehen. Hier stellen wir den Film vor.

In dieser Woche sind eine Reihe wichtiger Filme zu den großen Konfliktherden der Gegenwart zu sehen. Thema Syrien. Im Film „Aus meinem syrischen Zimmer“ beschreibt der der Filmemacher und Künstler Hazem Alhamwi die Ursprünge und Auslöser des syrischen Bürgerkriegs, er schildert das Erziehungssystem, den Herrscherkult, den alltäglichen Terror. In der Kunst findet Hazem ein Ventil, all das zu verarbeiten: Eingeschlossen in seinem Zimmer malt er wie ein Berserker und drückt mit seinen Zeichnungen aus, wie die Angst bis in die Poren aller Nachbarn und Freunde eindringt. Er spricht mit Weggefährten und Verwandten, Künstler und Kreative wie er, die oft jahrelang im Gefängnis waren und sich offen vor der Kamera überdie Grausamkeiten des Systems äußern. Andere, die während seiner ersten Drehzeit 2011 noch offen zu sprechen wagten, haben in der Zwischenzeit zuviel Angst vor Repressionen bekommen. Sie hat Hazem in seinem Malstil mit Masken unkenntlich gemacht, um sie zu schützen. Hazem Alhamwi lebt inzwischen im Exil. Der MDR strahlt den Film am Montag, den 26.10.2015 aus, wie es sich gehört zu später Stunde, um 23.40. Aber es gibt ja Aufnahmegeräte.

Gleichfalls der MDR zeigt am Sa, den 31.10.2015 „Homs – ein zerstörter Traum“ von Talal Derki. Er schildert an Hand von Videos den Beginn des Widerstands gegen das System von Assad und den Beginn des Bürgerkriegs.

Krisenherd Israel. Schon etwas älter, aber immer noch eindrucksvoll ist „Heart of Jenin“ von Marcus Vetter. Im November 2005 erschießt ein israelischer Soldat den 12-jährigen Ahmed Kathid, der mit einem Plastikgewehr spielt. Sein Vater entscheidet sich dafür, die Organe seines Sohnes zu spenden – Kinder aus verschiedenen Gruppen der israelischen Gesellschaft können damit weiterleben. Hier die Kritik.

Auf wieder vertrackte Weise unauflösbar der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erschein, erzählt der film „5 Broken Cameras“. Der Palästinenser Ernad Burnat kauft 2005 eine Videokamera und filmt die Ereignisse in seinem Dorf rund um den Mauerbau der Israelis und den Ausbau ihrer Siedlungen. Es kommt immer wieder zu Auseinandersetzungen, eine Kamera nach der anderen wird zerstört, die Gewalt eskaliert, bis es die ersten Toten gibt. Jede Kamera steht für ein Kapitel des palästinensischen Widerstands und für den Mann hinter der Kamera wird es jedesmal gefährlicher. (MDR, Di 27.10.2015, 23.50-01.20)

„Lost in Liberia“ schließlich ist einer der frühen Filme von Grimme-Preisträgerin Luzia Schmid. Sie erzählt darin die Geschichte einer jungen Entwicklungshelferin, die vom Roten Kreuz in das Bürgerkrieg verwüstete Liberia geschickt wird und dort an die Grenzen humanitärer Hilfe stößt. (ZDF Kultur, Fr 30.10.2015, 21.35-23.05)

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