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Im Übrigen bin ich der Meinung, dass…

…ein Fernsehpreis ohne Fernsehpublikum ebenso ein Armutszeugnis ist wie ein Medieninstitut, das in den Medien nicht vorkommt.

Aber der Reihe nach. Der Deutsche Fernsehpreis ist wieder auferstanden. Die Big Four des deutschen TV-Business (ARD, ZDF, RTL, SAT1) haben entschieden, ihn nach der Absage im vergangenen Jahr wieder aufleben zu lassen und im Januar 2016 wieder zu feiern. Allerdings ohne Fernsehpublikum. Die Branche möchte unter sich bleiben. Das ist einerseits verständlich, denn die TV-Shows der letzten Jahre waren allesamt ziemlich blamable Veranstaltungen. Jedoch waren die Preisentscheidungen über die Jahre hinweg nicht so schlecht wie das Bild, das die Veranstalter bei den Preisverleihungs-Shows von sich abgaben. Und wenn jetzt wieder eine Differenzierung in den Preisen eingeführt wird und auch unterbewertete Gewerke wieder Beachtung finden, kann man diesen Rückgriff auf frühere Praxis auch einen Fortschritt nennen. Aber warum ganz ohne Fernsehpublikum, ohne TV-Übertragung? Wenn Shows misslingen, kann man ja auch bessere machen. Aber das trauen sich die Sender offenbar nicht mehr zu – und in diesem Sinne kann man diese Entscheidung auch als einen resignativen Akt sehen, der den eigenen Relevanzverlust spiegelt.

Aber da ist ja noch das Grimme-Institut mit dem Grimmepreis, vor den seit gefühlt hundert Jahren alle Kommentatoren das Adjektiv „renommiert“ setzen. Jedenfalls alle Jahre wieder, wenn in Marl die Preise bekannt gegeben werden. Aber in den Zwischenzeiten? Seit eineinhalb Jahren wird das Haus neu geführt und seither scheint es hinter den sieben Bergen in Marl abgetaucht zu sein. Man hört nichts und liest nichts und sieht nichts. Das Medieninstitut kommt in den Medien nicht mehr vor.

Dabei gäbe es doch in Sachen Qualitätsmedien wahrlich Fragen genug. Nicht nur vielleicht wäre eine Meinung interessant, ob das Grimme-Institut die wiederauferstandene Konkurrenz begrüßt oder fürchtet. Oder was man dort darüber denkt, dass die Medienkritik und die Medienbeobachtung in diesem Lande immer weiter an Boden verlieren (jedenfalls in den traditionellen Medien, im Netz ist das etwas anders). Der Spiegel hat seine Medienseite eingestellt und jetzt killt der WDR die Mediengesprächsendung „Funkhaus Wallraffplatz“ ohne Begründung, Programmreform halt, Sparmaßnahmen, irgendwas in der Richtung. In den klassischen Medien, auch im Fernsehen, bleibt absehbar kein Stein auf dem anderen – aber Grimme antwortet nicht.

Sollte sich vielleicht mal ein Beispiel nehmen an der AG Dok, der Interessengemeinschaft der Dokumentarfilmer. Die schafft es in regelmäßigem Abstand, die Hierarchen der ARD zu Stellungnahmen zu zwingen und neue Argumente in eine sonst unbewegliche Fernsehlandschaft einzuführen. Jüngst etwa die Idee, einen kleinen Teil der Fernsehgebühren, die nunmehr Haushaltsabgabe heißen, direkt in Qualitätsproduktionen im Netz zu investieren, die dann wieder ins Programm zurückfließen könnten. Soviel Aktivität hat jüngst die SZ zu einem Porträt des manchmal hyperaktiven Vorsitzenden der AG Dok, Thomas Frickel, veranlasst. Ein Lob der Aufsässigkeit. Springteufel eben. Nervensäge. Und nicht Schweigen im Walde.

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