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Highlights. Liebe und Kalter Krieg, Falciani und das Schweizer Steuergeheimnis, Armstrong und der Doping-Betrug

Ein Kinofilm über eine vergessene Geschichte, zwei skandalgesättigte Geschichten aus der Welt der Banken und der Welt des Radsports und ein hochspannender israelischer Film über militärisches Besatzungsrecht. Die Ausbeute der Woche. Seit einigen Tagen läuft im Kino „Verliebt, verlobt, verloren“. Der Stabreim im Titel lässt alles harmlos klingen, aber das Thema ist es nicht. Anfang der 50er Jahre schickte Nordkorea Studenten in die DDR. Die studierten nicht nur, sondern verliebten sich auch – bis der innersozialistische Kalte Krieg die Paare auseinander riss. Ein bisher unerzählte Geschichte, Sung-Hyung erzählt sie ruhig und respektvoll. Hier die Kritik.

Gar nicht ruhig geht es zu in „Falciani und der Bankenskandal“. Sondern hektisch, denn es geht um Steuerhinterziehung, geheime Konten in der Schweiz, das Schweizer Bankgeheimnis und vor allem auch um einen Whistleblower, dem man am Ende seine ??? Gründe nicht recht glauben mag. Arte hat den Film schon gezeigt, die ARD zeigt sich nun schon zum wiederholten Mal wenigstens am Dienstag dokumentarfilmfreundlich – wie immer, wenn der Sommer kommt. (Arte, Di 30.06.2015, 08:55 – 10.25 Uhr; ARD, Di 30.06.2015, 22.45 – 00.15 Uhr und 02.15-03.45 Uhr). Hier die Kritik

„Ausgebremst – Die Lance Armstrong-Story“ des schwedischen Regisseurs Alex Holmes ist ein nicht weniger hektischer und materialreicher Dokumentarfilm, der von der amerikanischen Radsport-Legende Lance Armstrong erzählt. Der Held entpuppte sich am Ende als dreister Lügner und Betrüger, alle sieben Tour-de-France-Siege wurden ihm wieder aberkannt. Der Film stellt dar, wie Armstrongs Betrug in ein Komplott von Managern, Sponsoren, Ärzten und Team-Kollegen eingebettet war, denen es darum ging, mit Hilfe systematischen Dopings, Werbegelder und Siegprämien um jeden Preis einzufahren. Der Film lebt vor allem von den Aussagen früherer Teamgefährten von Lance Armstrong, die letztlich auspackten, nachdem Armstrong sie hat fallen lassen. Einen Mann ohne „emotionale Intelligenz“ nennt ihn ein Zeitgenosse, der alle und alles beiseite schiebt, was ihm für Sieg, Macht und Ruhm im Wege steht. Der Film zieht dann auch die etwas pathetische Schlussformel, wenn auch Armstrong nie mit der Wahrheit würde umgehen können, so würde sie am Ende über einen korrupten Sportler siegen. Sehr materialreich, sehr personalreich, nicht immer ganz durchsichtig, weil in sehr hohem Tempo geschnitten, aber doch als Ganzes ein eindrucksvolles Plädoyer. Man sollte es im Kopf haben, wenn sich demnächst die rollende Apotheke wieder durch Frankreich bewegt. WDR, Do 02.07.2015, 23.15 – 00.55 Uhr

Sehr bekannt geworden ist im vergangenen Jahr der israelische Film „Töte zuerst“, in dem sechs Chefs des israelischen Geheimdienstes Schin Bet ihre Erfahrungen und Einschätzungen zur israelischen Politik vor der Kamera offenlegen. Kaum weniger brisant und genauso spannend ist der mehrfach preisgekrönte israelische Film „Recht der Macht“ von Ra’anan Alexandrowicz. Sein Thema ist die militärische Gesetzgebung in den Palästinensergebieten seit dem Sechstagekrieg von 1967. In den besetzten Gebieten gilt eigenes Recht, das von Militärrichtern gesprochen wird, nicht das in Israel gültige Recht. Auch hier der Insider-Blick: Israelische Militärjuristen sprechen vor der Kamera und analysieren durchaus klug und aufklärerisch die Rechtslage. Der Film führt hin auf die Frage, ob die israelische Demokratie langfristig palästinensisches Land besetzen und dabei grundlegende demokratische Werte wahren kann. Ein wenig bekannter Aspekt des Nahost-Konflikts und ein Muss für jeden, der sich nur ein wenig für den Nahen Osten und seiner Perspektiven interessiert. In der französischen Fassung heißt der Film treffender: Das Recht des Stärkeren. (Phoenix, Sa 04.07.2015, 22.30 – 00.00 Uhr, So 05.07.2015, 02.30-04.00 Uhr, Fr 10.07.2015, 06.00 – 07:30)

Aus der Wiederholungsschleife lässt sich in dieser Woche herausfischen: „Verräterkinder“ von Christian Weisenborn, der sich mit den Töchtern und Söhnen des antifaschistischen Widerstands befasst, die nach dem Krieg stigmatisiert blieben (RBB, Di 30.06.2015, 21.00 – 21.45 Uhr). Hier die Kritik.  „Agfa 1939“ ist eine interessante Arbeit des jungen Regisseurs Michal Wnuk, ein Blick aus der dritten Generation auf Krieg und Hitlerfaschismus. (Phoenix, So 05.07., 23.15 – 0.00 Uhr, Di 07.07., 03.00 – 03:45 Uhr)Hier die Kritik. Arte zeigt „Kampf um Tibet“ von Shi Ming und Thomas Weidenbach zu recht guter Sendezeit und in einer längeren Fassung (Arte, Di 30.06.2015, 22.15-23.10 Uhr), hier die Kritik. Mit „Sauacker“ nimmt Tobias Müller an einem Beispiel Leben und Zukunftsperspektive kleinbäuerlicher Betriebe in den Blick (Eins Plus, Mo 29.06.2015, 18.45-20.05 Uhr), hier die Kritik. Und „Versicherungsvertreter 2“, die unglaubliche Fortsetzungsgeschichte des Mehmet Göker (hier die Kritik)  steht noch ebenso in der Mediathek wie der eindrucksvolle und preisgekrönte Film „Songs from the forest“ von Michael Obert noch in den Kinos zu sehen ist: Hier die Kritik.

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