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Highlights: Waldsterben, Leihmütter, Terroristen

Diese Woche fällt etwas schwächer aus. Einige Filme stehen auf dem Programm, die schon lange durch die Programme touren und die die meisten Dokumentarfilmfreunde schon wohl schon gesehen haben werden. Aber ein Hinweis kann ja nicht schaden.

Aus Arbeitsüberlastung hat es leider nicht zu einer Kritik gerecht und auch für die Ausstrahlung kommt die Annonce zu spät. Aber der Film steht noch in der ARD-Mediathek: „Die Folgen der Tat“ von Julia Albrecht und Dagmar Gallenmüller. Thema: die Ermordung des Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto durch RAF-Mitglied Susanne Albrecht. Die Familie Albrecht war mit der Familie Ponto befreundet, so konnte Susanne Albrecht Zugang zum Haus der Pontos finden. Ein ruhiger und unaufgeregter Film und eine sehr persönliche Aufarbeitung durch die jüngere Schwester Julia Albrecht. Noch in der ARD-Mediathek.

Reproduktionstechniken greifen immer tiefer ins Leben und in die Natur ein. So ist inzwischen auch die Leihmutterschaft eine Option für diejenigen, die keine Kinder bekommen können. Sie müssen das aber auch bezahlen können. Und so spiegelt sich im Gebrauch dieser Technologie auch die Globalisierung wider. Eine der größten Leihmutterkliniken weltweit steht in Indien. Dort werden Kinder bestellt, ausgetragen und schließlich in die reichen Länder der zahlungskräftigen Eltern verschickt. In „Ma Na Sapna – Geliehenes Mutterglück“ verfolgt die Schweizer Autorin Valerie Gudenus diesen ganzen Zyklus. 3Sat zeigt den Film am Di, den 02.06.2015 zur auch für die Spartensender inzwischen obligaten späten Zeit, um 22.55 Uhr. Hier die Kritik.

Ein Muss für alle, die diesen Film noch nicht gesehen haben „Töte zuerst! Der israelische Geheimdienst Shin Bet“ von Dror Moreh, Israel 2012. Vernichtender kann das Urteil über die gegenwärtige israelische Politik gar nicht ausfallen als die aus dem Munde von sechs israelischen Geheimdienstchefs, die ihre Sicht der Konflikte und der politischen Lösungen dartun. Unglaublich, dass der Regisseur es geschafft hat, diese sieben sehr geheimen Herren vor die Kamera und zum Sprechen zu bringen. Arte zeigt den Film noch einmal am Di 02.06.2015 um 00.10 Uhr

Und nicht weniger ein Muss für alle, die bisher noch nicht Bescheid wissen, was es mit den Bienen auf sich hat. „More than Honey“ von Markus Imhoff. Der Schweizer Regisseur, der sich mit Spielfilmen einen Namen gemacht hat, hat hier seine ganze Kunst in ein Thema gesteckt, das man sonst nur im Naturkundeunterricht oder im Naturfilm vermutet – und das sich hier als eine brisante Studie entpuppt, in der es vor allem auf die Zusammenhänge von Bienensterben, Industrialisierung der Nahrungsmittel und gesellschaftspolitische Fragen ankommt. Mit fabelhaften Aufnahmen direkt aus dem Computer. Nicht nur für Bienenfreunde. BR, Di 02.06.2015, 22.45 – 00.10 Uhr.

Dann der Film “Herbstgold”, in seiner Tournee durch die Programme offenbar so unverwüstlich wie die Protagonisten von denen er erzählt: Alte Menschen, die noch ordentlich Sport treiben und sich noch lange nicht auf irgendein Altenteil zurückziehen wollen. Anrührend, manchmal komisch, manchmal verrückt und sogar spannend. WDR, Mo 01.06., 23.35. Hier die Kritik

Das „Waldsterben“ schient einst eine ausgemachte Sache und nicht verhinderbar. Man sah nur noch absterbende Wipfel. Nach Ansicht des Filmemachers Reinhard Kungel lässt eine ganze Generation danach definieren, dass sie früh mit der Angst vor dem Waldsterben konfrontiert war und damit mit dem Gefühl, das Leben und die Natur seien bedroht: „Generation Waldsterben“. Das Gefühl ist ja seither nicht mehr weggegangen, wenngleich die Wälder schon seit Jahren wieder viel gesünder aussehen und der „Saure Regen“ in der Wahrnehmung gar nicht mehr vorkommt. Gastautor Thomas Gehringer schreibt über diesen Film, den Phoenix am Samstag, den 06.06.2015 um 22.30 Uhr ins Programm gesetzt hat. Hier die Kritik

Im Wiederholungszyklus von Arte ist „Königin der Stille“ von Agnieszka Zwiefka noch im Programm, ein politisches Märchen über ein junges Roma-Mädchen in Polen, das sich der harten Realität des gesellschaftlichen Außenseitertums in den Tanz flüchtet, sich an Bollywoods Glamour begeistert. Ein Spiel mit Fiktion und Realität und ein Gesicht, das man so schnell nicht vergisst. Arte, So 07.06.2015,  02.50 Uhr. Hier die Kritik.

Noch in den Kinos zu sehen ist „Nicht alles schlucken“, ein konzentrierte und erzählerisch konsequent umgesetzter Film über Psychosen, Psychopharmaka und darüber, wie man mit der Krankheit umgeht. Deshalb hier auch noch einmal der Verweis auf die Kritik von Barbara Sichtermann.

Und gleichfalls noch auf dieser oder Kinoleinwand zu finden ist „Der Papagei im Eiscafé“ von Ines Thomsen. Was sich hinter dem merkwürdigen und nicht selbst erklärenden Titel findet, ist eine filmische Studie über eines der armen Viertel in Barcelona. Hier arbeiten Friseure aus vielen Ländern, in ihren Läden und in ihrem Umgang mit den Kunden erfährt man vieles über das Leben der Migranten in Spanien. Hier die Kritik.

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