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Highlights: 10 Milliarden, Armenien, Partisanen

In diesen Wochen kommen eine Reihe interessanter Dokumentarfilme ins Kino, zunächst als erster seit vergangenem Donnerstag „10 Milliarden“ von Valentin Thurn, eine große Recherche über die Ernährung in der Welt. Dazu im Fernsehen eine Reihe sehenswerter Filme zu Gedenktagen: Armenien, Vietnam, Ende des NationalsozialismusMit „10 Milliarden: Wie werden wir alle satt?“ ist der Filmemacher Valentin Thurn bei seinem Thema geblieben. Nach „Taste the waste“ nun also die Frage, wie wir verhindern können, dass die Menschheit durch die hemmungslose Ausbeutung knapper Ressourcen die Grundlage für ihre Ernährung zerstört. Valentin Thurn erkundet er die wichtigsten Grundlagen der Lebensmittelproduktion, spricht mit Machern aus den gegnerischen Lagern der industriellen und der bäuerlichen Landwirtschaft, trifft Biobauern und Nahrungsmittelspekulanten, besucht Laborgärten und Fleischfabriken. Eine umfassende Recherche – die Kritik zum Film hier. Und  hier die Website des Films.

Mit mehreren Wiederholungen können wir in dieser Woche eintauchen in die Welt der großen Kriegsverbrechen. Vor hundert Jahren begann der erste große Völkermord des schrecklichen 20. Jahrhunderts mit dem Genozid an den Armenieren, in vielem Vorbild für die Verbrechen der Nazis. Die ARDzeigt noch einmal den preisgekrönten Film „Aghet – ein Völkermord“ von Eric Friedler, freilich erst zu einer Zeit, die man nur noch als publikumsverhindernd bezeichnen kann.  Hier die Kritik.

Gleichfalls mit gedecktem Blick aufs Publikum agiert ZDF-Info mit einer ausgezeichneten Eigenproduktion, den Achtteiler „Die Wahrheit über den Holcocaust“ des belgischen Dokumentaristen William Karel. Der Sender verstreut die einzelnen Folgen in kleineren Blöcken wüst über den Wochenspielplan, so dass nun noch Eingeweihte die Sendungen finden können. Auch eine Methode, Programmvermögen zu verschleudern. Hier die Kritik.

„Night will fall – Hitchcocks Lehrfilm für die Deutschen“ ist in der ARD schon einmal gelaufen, jetzt holt der MDR den Film nochmals ins Programm – noch eine gute Gelegenheit für Zuschauer, die den Film verpasst haben. Eine etwas andere Seite aus den Jahren des großen Mordens zeigt der Film „Die Partisanen“ von Arnem Demenok und Christoph Andreas Schmidt. Der Film wird sehr selten noch einmal wiederholt und er behandelt ein Thema das sonst nur selten angefasst wird: der Krieg mit den Partisanen Russlands, Weissrusslands und der Ukraine – sachlich, mit vielen interessanten Infos und die Entmyhtologisierung eines Mythos. Hier die Kritik.

Der Vietnamkrieg hat eine ganze Generation geprägt und politisiert, weltweit. Auch dieser Krieg ist in die Historie abgesunken. Vor 40 Jahren, am 1. Mai 1975 ging dieser blutige Konflikt, der Millionen das Leben kostete, zu Ende. Die ARD zeigt aus diesem Anlass „Der Vietnamkrieg. Gesichter einer Tragödie“ von Christel Fromm. Eine solide Darstellung des Kriegs, weniger entlang von Daten als von Protagonisten: Veteranen, die zu Kriegsgegnern wurden, einer Vietcong-Kämpferin, dem Anti-Vietnam-Aktivisten Tom Hayden, dem Fotografen Thomas Billhardt. Eine klassische Dokumentation mit leitendem und informierendem Kommentar und viel interessantem dokumentarischen Material. Woran es in diesem Fall nicht mangelt: der Vietnamkrieg war der erste von Medien in die Wohnzimmer getragene Krieg. Die Sender haben sonst noch einiges in ihren Archiven zum Thema, in der Woche rund um den 1. Mai wird einiges davon wieder ins Programm gehoben. Wir werden rechtzeitig darauf hinweisen.

Marc Wieses Film über die völkerrechtswidrigen Straflager in Nordkorea „Camp 14 – Total Control Zone“ hat in diesem Jahr den Grimmepreise bekommen, Arte hebt darauf hin den Film noch einmal ins Programm (Arte. Mi 22.40 Uhr) – hier die Kritik. Der SWR eröffnet mit zwei Filmen aus Kriegsländern den Blick: Zunächst „Homs – Ein zerstörter Traum“ (SWR, 22.04.2015, 00.15 – 01.45″, im Anschluss daran aus Afghanistan „Mein Herz sieht schwarz“, hier erzählt Helga Reidemeister eine anrührende Liebesgeschichte und Liebestragödie: „Mein Herz sieht die Welt schwarz“ ( SWR, Mi 22.04.2015, 01.45 Uhr).

Zwei dokumentarische Blicke noch in die Gegenwart. „Der Banker – Master of the Universe“, schon durch viele Dritte gelaufen und jetzt auch im WDR („Mi 23.04.2015, 23.15 Uhr) – und hier. Und selten gezeigt, zwar schon 2002 gedreht aber immer noch sehenswert, weil die Fragen nicht erledigt sind: „Die Kinder sind tot“ von Aelrun Goette, ein Film über eine Kindsmörderin, der die schwierige Balance zwischen kritischer Distanz und nachdenklicher Nähe schafft. Eine sehr interessante Wiederbegegnung (BR, Di 21.04.2015, 22.45 – 00.05 Uhr) – hier ein Text zum Film.

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