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„Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“. Von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler

Es wird telefoniert, geküsst und geraucht in den deutschen Spielfilmen, dass es nur so eine Art ist. Aber auch damit lässt sich etwas über den deutschen Spielfilm und seine Geschichte erzählen. (NDR, 13.01.2015, 23.30 Uhr)

„Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“ ist eine Hommage an das Kino, eine Liebeserklärung und das Dokument einer großen Kinoleidenschaft. Der Film spürt den großen Momenten des deutschen Kinos nach. Viele der berühmten Namen tauchen auf. Von weit her wie Fritz Lang, Robert Siodmak oder Helmut Käutner. Oder ganz zeitnah wie Christian Petzold, Wim Wenders, Dominik Graf. Ausschnitte aus 250 Filmen versammelt diese Collage, viel Material, gewiss, aber doch auch Material, das Lust macht, den einen oder anderen Film wieder zu sehen.

Der viel zu früh verstorbene Filmkritiker Michael Althen und der Filmhistoriker Hans Helmut Prinzler, sie haben diese Fülle souverän bewältigt und geordnet. Sie bilden sich nicht ein, die einzig mögliche deutsche Filmgeschichte zu schreiben. Aber eine mögliche. Und das ist jedenfalls eine, die sich sehen lassen kann.

Die beiden Autoren verwenden dabei einen auf den ersten Blick einfachen Trick. Sie lassen heutige Regisseure ihren Lieblingsfilm vorstellen. Das führt zu mehrfach gespiegelten Erkenntnissen. Wunderbar zu hören, wie Tom Tykwer seine Angst- und Faszinationserfahrung mit Fritz Murnaus „Nosferatu“ schildert oder Andres Dresen über Konrad Wolfs „Solo Sunny“ spricht . So erzählen diese Szenen nicht nur etwas über die Regisseure, über ihre filmischen Bezugspunkte, ihre Anreger. Sondern auch über Traditionen, Beziehungen und Reibungen quer durch die deutsche Filmgeschichte.

Die beiden Autoren haben ihre Materialfülle noch durch Zwischenstücke strukturiert mit Collagen aus Filmausschnitten zu so nur scheinbar belanglosen Themen wie den Kuss im Deutschen Spielfilm, das Telefonieren oder das Rauchen. Das ist komisch, elegant und klug. Denn so schmuggeln sie auch noch Zeit- und Kulturgeschichte hinein in die Filme, die nun selbst Dokumente ihrer Zeit geworden sind. Historische Exkurse über den Film der Nazizeit, über Berlin und über die DDR vervollständigen das Panorama. Dessen schönstes Ergebnis insgesamt ist es, dass es den Zuschauer animiert, sich seine eigene Filmgeschichte mit den eigenen Kinoerfahrungen m Kopf fertigzustellen, vielleicht zu korrigieren, vielleicht zu erweitern, jedenfalls zu bereichern.

„Auge in Auge – Eine deutsche Filmgeschichte“. Von Michael Althen und Hans Helmut Prinzler, D 2010, NDR, Di 13.01.2015, 00.00 – 01.45 Uhr)

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