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Von Großfotografen, einem Blick auf den Nachbarn und mehrere Blicke auf die Ostdeutschen

Größere Gegensätze lassen sich kaum denken: Wim Wenders bildmächtige Hommage an den Fotografen Sebastiao Salgado, „Das Salz der Erde“  und Hans-Dieter Grabes Hommage an seinen Nachbarn Raimund. Und doch haben beide viel gemeinsam: sie interessieren sich für Arbeit und sie sind Handwerker des Sichtbarmachens. Auf das Dokumentarfilmfestial in Leipzig folgt die #Duisburger Filmwoche (3.-8.11.), die sich dem deutschsprachigen #Dokumentarfilm widmet. Sie wird eröffnet mit dem wunderbaren Ruhrgebietsfilm „Göttliche Lage“ von Ulrike Franke und Michael Loeken. Wir haben ihn in wolfsiehtfern schon vorgestellt. Über einzelne Filme dieser Woche werden wir noch berichten. Demnächst zu sehen sein wird „Raimund – ein Jahr zuvor“ von Hans-Dieter Grabe. Grabe gehört zu den bedeutenden Dokumentaristen des Fernsehens, dem ZDF hat er in Sachen Dokumentarfilm einen Ruf verschafft, den der Sender längst nicht mehr verdient. Grabe ist schon 78 Jahre alt, in Rente – und er kann es nicht lassen. Früher war er durch die Welt gereist. Jetzt erforscht er Menschen in seiner näheren Umgebung. Hier die Kritik zum Film.3Sat zeigt ihn am 10.11.2014, 22.55 Uhr. Hier Näheres zum Film.

Laura Poitras Film „Citizen four“ ist nach der Festivaleröffnung in Leipzig nun auch in den deutschen Kinos zu sehen. Ein Pflichttermin.

Pflicht ist eigentlich auch Wim Wenders Film „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastiao Salgado, eine Hommage, eine Liebeserklärung, ein Film über die Macht der Bilder. Seit 30.10.2014 in den Kinos. Hier die Kritik.

Schon zum vierzehnten Mal zeigt der SWR die Reihe junger Dokumentarfilm. Sie wird in diesem Jahr eröffnet mit dem Film „Sauacker“ von Tobias Müller, ein nüchterner und aufmerksamer Blick in bäuerliches Leben heute. Wolfsiehtfern hat den Film schon vorgestellt, als er in den Kinos startete. Die Reihe junger Dokumentarfilm gibt vor allem jungen Autoren von der Filmakademie Ludwigsburg die Chance auf ein größeres Publikum – nicht alle Sender betrieben solche Förderung von Autoren, mit deren Arbeiten sie künftig ihr Programm gestalten könnten. Im Internet gibt der Sender einen Überblick über die Reihe, über die Kooperation mit der Filmakademie und Zugang zu den Daten aller bisher gesendeten Filme. SWR, Mi 05.11.2014, 23.40 – 01.00 Uhr
Wolfsiehtfern wird den einen oder anderen Film der Reihe noch mal gesondert vorstellen. Hier schon mal die aktuellen Sendedaten:
„Steppenlauf“ von Annie Seitz, Mi 12.11.2014, 23.30 Uhr
„Die Zukunft gehört uns“ von Marisa Middelton, Mi 19.11.2014, 23.30 Uhr
„Andere Welt“ von Christa Pfafferoth, Mi, 26.11.2014, 23.30 Uhr
„Allah, Gott und der Urknall“ von Lisa Schäffner, Mi 03.12.2014, 23.30 Uhr

Dieser Tage ist wieder Zeitgeschichtsfernsehen dran, vor 25 Jahren fiel die Mauer. Aus der Fülle von Sendungen hier einige ausgewählte. Der rbb zeigt mit „Die Ostdeutschen – 25 Wege in ein neues Land“ 15-minütige Porträts von Ostdeutschen unterschiedlichster Provenienz. Das sind beobachtende, nicht bevormundende Filme darüber, wie Menschen aus der DDR den Systemwechsel verkraftet haben, wie sie in einem neuen Land vorangekommen sind – oder nicht. Die Filme sind von verschiedenen Autoren gedreht, unter der Gesamtleitung von Lutz Pehnert. Sie werden in fünf  Blöcken vom 3.- 7.11.2014, jeweils 22.15 Uhr ausgestrahlt, sozusagen schon ein eigenes kleines Festival. Wolfsiehtfern hat den ersten Film aus der Reihe gesichtet.

Bilanzieren, das ist auch ein Impetus des Films „Einzelkämpfer“. Sandra Kaudelka erzählt von vier Spitzensportlern der DDR, unter anderem Uwe Beyer und Marita Koch. Die Autorin gehörte selbst als Wasserspringerin zu den Spitzensportlern und kennt sich aus in der Frage, was Sport für den Staat DDR bedeutete und wie sehr dieses besonderes Verhältnis das Leben der Sportler selbst prägte und es nicht selten auch ruinierte. ZDF, Kleines Fernsehspiel, Di 04.11, 00.05 – 01.40 Uhr und in der Wiederholungsschleife auf ZDF Kultur am 7.11. 2014 um 20.15 und am 8.11. um 0.45 Uhr

Auch sonst sind noch einige bemerkenswerte wiederholte Filme zum Thema zu vermerken. „Das Wunder von Leipzig“, die erste und Dokumentation über die Leipziger Montagsdemonstrationen, nahe an den Ereignissen dran. NDR, Fr 08.11.2014, 23.15 – 00.45 Uhr“.

Einen ungewöhnlichen und amüsanten Blickwinkel nimmt der Film „Mauerhase“ von Bartek Konopka ein, eine deutsch-polnische Produktion. Er erzählt vom paradiesischen Leben der Hasen auf dem Todesstreifen rund um Berlin. Erst geht es ihnen dort gut, dann machen ihnen die Pflanzenschutzmittel zu schaffen und am Ende, als die Mauer gefallen ist, müssen sie zusehen, wie sie mit der neuen Freiheit zurechtkommen.  MDR, So 09.11.2014, 00.05 – 00.45 Uhr.

Es gibt aber auch noch andere Themen. Schon mehrfach wiederholt, für Interessierte die den Film noch nicht gesehen haben: „Carte Blanche“ von Heidi Specogna, ein Film über die Arbeit des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag. Die wird mit den wachsenden Konflikten in der Welt nicht grade unwichtiger. „Carte Blanche“ bekam 2011 den 3Sat-Dokumentarfilmpreis auf der Duisburger Filmwoche. Hier die Kritik. 3Sat, 9.11.2014, 21.45 – 23.20 Uhr

Und der 9. November ist nicht nur der Tag des Mauerfalls, sondern auch der Tag, an dem 1938 in Deutschland die Synagogen brannten. Michael Verhoeven hat mit „Menschliches Versagen“ einen sehr informativen Film darüber gedreht, dass viele Deutsche damals die Judenverfolgung nicht nur billigten, sondern selbst davon materiell profitierten. Hier Näheres zum Film. 3Sat, So 09.11.2014, 10.15 – 11.45 Uhr

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