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Im Übrigen bin ich der Meinung,

dass ein Dokumentarfilm eine Dokumentarfilm ist und ein Werbespot ein Werbespot, auch wenn er so tut, als sei er ein Dokumentarfilm. Ein bisschen Klarheit bei den Begriffen wäre nicht schlecht. Wir sind ohnehin gestraft mit der Wortkrücke „Doku“, in der jede Differenzierung zwischen Volker Koepp und ZDF-Zoom verschwindet und mit ihr auch jede unterschiedliche Wahrnehmung. Anderswo hat man gar keinen Begriff mehr. Meine Lieblingsprogrammübersicht sortiert jeden klassischen Dokumentarfilm gleich als Spielfilm ein. Wer weiß, wie viele Zuschauer darüber schon in Verwirrung auf dem Sofa verendet sind.

Jetzt also „Die Mannschaft“, ein Film über die Fußball-WM und über die Gewinner, eben in die Kinos gekommen. Er wird allgemein als Dokumentarfilm verkauft. Aber anders als seinerzeit das „Sommermärchen“ von Sönke Wortmann, der sich bei aller Identifizierung mit den Fußballheroen auch filmische Selbständigkeit und eine Autorenhandschrift erlaubte, ist dies ein Marketingfilm des DFB und der FIFA. Eben nichts als ein langer Werbespot und entsprechend langweilig. Sein Produkt ist die Weltmeistermannschaft, sein Geist die Selbstbespiegelung der Funktionäre und das Image, das er verbreitet, ist das der Teamarbeit. Passt gut in die Anforderungen von Industrie und Handel, die ja auch alle gewinnen wollen.

Dabei sind, so hat BILDblog herausgefunden, der DFB und die Macher bei ihrem Werbespruch im Trailer auch noch einem Fake aufgesessen: „Brasilien hat Neymar. Argentinien hat Messi. Portugal hat Ronaldo. Deutschland hat eine Mannschaft“. Steven Gerrard, Kapitän der britischen Mannschaft, soll das gesagt haben. Hat er aber nicht. Erfunden hat den Satz ein britischer Zwitscherer namens Seumas Beathan, der einen Fan-Account eingerichtet hatte. Fehlt nur noch, dass der Fan jetzt auch noch Honorar haben will.

Zurück zum Film. Worum geht es, wenn es um die Mannschaft geht? „Es geht um Hagiographie, um die Reproduktion eines Gefühls, um Gedächtnisstützen“ schreibt Peter Körte in der FAZ, „vielleicht auch für diejenigen, welche im Vollrausch auf der Fanmeile das eine oder andere Detail verpasst haben.“ Mit dem Film wird ein Event noch einmal als Kino-Event aufgekocht und gleich danach auch noch Anfang des nächsten Jahres, in der ARD zur besten Sendezeit noch einmal im serviert. Mal sehen, ob sich im zweiten Aufguss der Wiedererkennungswert dann schon verbraucht hat.

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