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„Das große Museum“. Von Johannes Holzhausen

Ausgerechnet Breughels Gemälde „Der Turmbau zu Babel“, eines der zentralen Werke des Wiener Kunsthistorischen Museums, findet keinen rechten Platz. Mal wird es abgehängt, dann wieder umgehängt, dann wieder durchs Bild getragen. Ein Museum, will uns der Regisseur mit dieser Metapher sagen, ist wie dieser Turmbau: nie wirklich fertig. Um davon zu erzählen, schaut er hinter die Kulissen des Museumsbetriebs. Seit Donnerstag läuft „Das große Museum“ in den Kinos.

„Das große Museum“ gibt gleich eingangs das Versprechen ab: Keine Bilderschau, keine Museumsführung, keine Show der Repräsentationsräume und der Highlights des Museums. Sondern Alltag einer Institution. Noch ehe die Türen geöffnet werden, wird Parkett poliert, Vitrinenglas geputzt. Dann ein kleiner Schock: Krachend fährt die Spitzhacke eines Bauarbeiters in den schönen Parkettboden. Die Arbeiten an der Neueröffnung der Kunstkammer beginnen.

Und das wird gearbeitet, backstage. Bilder werden restauriert, die Kuratorinnen diskutieren über Hängungen. Restauratoren machen sich auf die Suche nach Käfern, die in den Holzrahmen nisten. Bei einer Versammlung der Aufseher und Aufseherinnen bekommt die Museumsführung von einer resoluten Dame gegeigt, dass sie sich hier wie die Allerletzte vorkomme. Der Leiter der Abteilung Hofjagd- und Rüstungskammer, natürlich ein Hofrat, wird in den Ruhestand verabschiedet, bekommt einen Ministerinnengruß geschickt und kann vor lauter Rührung gar nichts mehr sagen. Zwei Museumsangestellte versuchen auf einer Auktion ein begehrtes Sammlerstück zu ergattern, können aber nicht mit jemandem mithalten, von dem wir nur hören, dass er offenbar „ein Riesenbudget“ habe.

Man bekommt auch ein wenig Einblick in die ökonomischen Mechanismen. Das Geld ist reichlich und dennoch knapp. Die Breughel-Ausstellung kostet wohl doch mehr Geld als geplant. Die Museumsleitung hofft auf einen großen Publikumserfolg der neu eröffneten Kunstkammer – der sich auch einstellt. Noch nie waren so viele Besucher im Kunsthistorischen Museum wie 2013. Das Museum befindet sich in scharfer Konkurrenz, international, aber auch in Wien mit seinen vielen sehr spektakulären Sonderausstellungen. Es soll als Marke etabliert werden. Das Corporate Design wird entwickelt, die Marketingleute kriegen sich gar nicht ein mit den Adjektiven – „stilvoll“, „souverän“, „berührend“ und „offen“ soll das Image des Museums sein und das der Mitarbeiter „kultiviert“, „kompetent“, „leidenschaftlich“ und „mutig“. Lakonisch bemerkt der Archivar, während er eine Wurstsemmel verspeist, das sei sehr schön, würde aber auch auf eine Zahnpaste passen. Einer der Kunstvermittler des Museums stellt die Frage, wie man sich den Kunsthinterlassenschaften der Habsburger nähern solle: Wie die PR-Abteilung der Habsburger oder doch wie moderne Menschen der Gegenwart? Die Frage beantwortet die Marketingabteilung. Man hat erforschen lassen, was die Touristen wollen und das führte dazu, dass die Kunstkammer nun Kaiserliche Kunstkammer heißt. Wer nach Wien reist, will zum Kaiser reisen, in die Vergangenheit.

Gewiss verträgt sich der Film recht gut mit der Absicht der Museumsleitung, den Ruf des Kunsthistorischen Museums durch die Lande zu tragen und ihm einen festen Platz in den touristischen Rundkursen zu sichern. Einverständig, aber auch mit kritischen Seiten. Denn das Kunsthistorische Museum verwaltet das habsburgische Erbe nicht nur, sondern setzt es auch in touristische Münze um. Doch der Blick geht darüber hinaus. „Das große Museum ist nicht das Kunsthistorische“ hat der Regisseur Johannes Holzhausen in einem Interview gesagt, sondern das ist Österreich“ Und: „Österreich ist auf weiten Strecken auch ein Museum.“

Das entlädt sich dann auch in der Zeremonie, in der ein großes Gemälde, das Maria Theresia und vier ihrer Söhne zeigt, nach aufwendiger Restaurierung wieder ins Büro des Bundespräsidenten zurückgebracht wird, unter schönen Reden über österreichisches Kulturgut. Leider spiegelt es, da muss noch etwas am Neigungswinkel gebastelt werden. Und wer das dann wieder hinkriegen muss, das haben wir aus den vielen Seitenblicken aus dem Kunsthistorischen Museum in diesem Film schon gelernt.

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