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Bürger Snowden, Geschichte als Fragment und Frank Zappas Drummer in Bayern

Diese Woche kann sich niemand beklagen, auch wenn die Sendezeiten wie üblich absurd sind. Kinofilme sind auch dabei.

Am Montag, den 27.10. eröffnet in Leipzig die „Dok Leipzig“, das 57. Internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Eröffnet wird das Festival mit „Citizen four“ von Laura Poitras, dem vielleicht wichtigsten Dokumentarfilm dieses Jahres. Ein parteilicher Film, der die Geschichte der Enthüllungen von Edward Snowden erzählt und erstmals auch einen dokumentarischen Blick auf Snowdon selbst wirft. Hier die Kritik zum Film. Citizen four“ hatte erst vor kurzem Premiere in den USA und kommt am 6.11. auch in die deutschen Kinos.

Vor 25 Jahren fiel die Mauer. Das Fernsehen ist voll mit zeithistorischen Sendungen. Ein besonderer Film dazu ist „Material“ von Thomas Heise, dessen Umgang mit damals gedrehten Szenen die Geschichte als etwas grundsätzlich offen betrachtet und nach dem utopischen Moment in diesen Tagen der Umwälzung sucht. ZDF Kultur, Mi 29.10.2014, 21.35 – 00.20 Uhr. Hier mehr Infos zum Film.

Einen zeithistorischen Überblick liefert der Dokumentarfilm „Leipzig im Herbst“ von Andreas Voigt – die erste und umfassendste Bestandsaufnahme jener Ereignisse im Herbst 89. MDR, Mo 27.10.2014, 23.40 – 0.35 Uhr. Der Film wurde 1990 auf dem Leipziger Filmfestival mit der Goldenen Taube ausgezeichnet.

Mehr als 45 Jahre ist es her, dass Johnny Cash an einem ungewöhnlichen Ort auftrat: in der Kantine des kalifornischen Hochsicherheitsgefängnisses „Folsom State Prison“. Ein legendäres Konzert vor hunderten schwerkrimineller Insassen. Der amerikanische Regisseur Bestor Cram erzählt nicht nur von diesem Konzert, sondern verknüpft es auch mit der Geschichte zweier Häftlinge. „Johnny Cash at Folsom Prisin“. Von Bestor Cram. USA 2008, BR, Di 28.10.2014, 22.45 – 0.00 Uhr.

“Töte zuerst” von Dror Moreh ist in den letzten Monaten schon oft gezeigt worden, hier noch einmal eine Gelegenheit, diesen aufregenden und wichtigen Film noch einmal zu sehen, in der Wiederholungsschleife im Arte- Frühprogramm. Der Film heißt im Originaltitel „The Gatekeeper“: das sind sechs Chefs des israelischen Geheimdienstes Schin Beth, die von ihrer Arbeit erzählen und die israelische Politik analysieren. Eine solche massive interne Kritik aus israelischer und staatstragender Perspektive hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Der Film war 2013 für den Oscar und 2014 für den Grimmepreis nominiert. ARTE, Di 28.10.2014, 08.55 – 10.55 Uhr.

Bekannt geworden ist der Dokumentarfilmregisseur Stanislaw Mucha mit seinem Film „Absolut Warhola“ über den Geburtsort von Andy Warhol hinter den sieben Bergen in der Slowakei. Mucha hat einen Blick für besondere Orte und für Skurriles. Das alles findet sich auch wieder in „Die Wahrheit über Dracula“. Arte hat den Film in die Nacht vor Halloween gesetzt, vielleicht als Angebot für jene, die für Halloween noch üben müssen und dazu einen einen kulturellen Appetizer brauchen.  Hier die Kritik zum Film. „Die Wahrheit über Dracula“. Von Stanislaw Mucha. D 2009. ARTE, Do 30.10.2014, 02.45 -04.10 Uhr

Jimmy Carl Black war mal ein berühmter Musiker, der aber nicht reich wurde. Er trommelte für Frank Zappas „Mothers of Invention“, wurde von Zappa wie andere Bandmitglieder auch geschasst, versuchte erfolglos weitere Bands aufzuziehen, jobbte, blieb aber immer Musiker und landete schließlich bei seiner deutschen Frau in einem bayrischen Dorf. Von dort aus ging er noch lange als Musiker auf Tour. Zwei Filmemacherinnen, Sigrun Köhler und Wiltrud Baier, die sich „Böller und Brot“ nennen, befassten sich sechs Jahre lang mit der Geschichte dieses Indianers aus Cheyenne und heraus kam ein wunderbar melancholischer, heiterer und auch wieder trauriger Film über einen Künstler und darüber, was dem passiert, der nicht in die Rentenkasse einzahlte: „Where’s the Beer und when do we get paid“. Hier die Kritik. ZDF Kultur, Do 30.10., 22.20 -23.45 Uhr.

Paul-Julien Robert wuchs in der Kommune des österreichischen Aktionskünstlers Otto Mühl auf, in der die Kleinfamilie und die autoritäre Erziehung abgeschafft und freie Sexualität propagiert wurde. Und in der der Autor erfuhr, was es heißt eine Familie zu haben, die keine Familie ist. Sein Film heißt auch entsprechend „Meine keine Familie“ und erzählt von falsch gelaufener Emanzipation, traumatischen Erfahrungen und über die Familie als System. Hier die Kritik. 3Sat, So 02.11.2014, 21.45 – 23.35 Uhr.

Der Dokumentarist Klaus Stern hat ein Gespür für charismatische Außenseiter, Grenzgänger und Vollwahnsinnige. Einer von ihnen war Werner Koenig, Spitzensportler, New-Economy-Gewinner und ein Mann, der einmal zu viel in eine Lawine geriet. Hier die Kritik. „Lawine – Leben und Sterben des Werner Koenig“, auf dem absurden Dokumentarfilmplatz des HR, So 02.11.2014, 01.30 – 02.20 Uhr

„Das große Museum“, von dem Johannes Holzhausen erzählt, ist das kunsthistorische Museum in Wien, ein Palast für das habsburgische Erbe und ein Kulturinstitut im Wettkampf um Aufmerksamkeit. Hier die Kritik.

„Tableau noir“ hat Yves Yersin seinen Film genannt, wie die schwarze Schultafel, auf der die Kreide kratzt. Der Film erzählt ein Schuljahr in einer Zwergschule in einer abgelegenen Gegend im Schweizer Jura. Ein Lehrer und eine zwölf Schüler. Eine Schule, wo Lernen noch unmittelbar mit dem Leben verbunden ist. Altmodisch? Vielleicht. Hier die Kritik.

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