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Im Kino: „Who cares?“ Von Mara Murão

Who cares? oder: Wen interessiert‘s? Ein Film über Menschen, die nicht gleichgültig sind, sondern als „social entrepreneurs“ ihre Phantasie und Arbeitskraft in Projekte stecken, die anderen helfen. Ein Film wie eine Gardinenpredigt.

Man nennt sie „social entrepreneurs“, Sozialunternehmen, die ihren ersten Zweck nicht im Profit sehen sondern darin, für krisenhafte Entwicklungen Lösungen zu finden. Oft handelt es sich um Nicht-Regierungsorganisation (NGO’S) die weltweit aktiv sind. Eine ganze Reihe solcher Sozialunternehmer stellt Mara Murao in ihrem Film „Who cares?“ vor. Die Projekte agieren meist auf den Feldern Gesundheit, Wohnen, Bildung, Bürgerrechte, Selbsterhalt.

Vor allem handelt es sich um Projekte, die nicht auf Entwicklungshilfe setzen, sondern auf Hilfe zu Selbsthilfe. Mikrokredite für Arme etwa, wie sie von Mohammed Yunus erfunden werden und über die US-Organisation Kiva über Internet weltweit vergeben werden. Oder „Internationale Brigaden für Gerechtigkeit“, wo Karen Tse den Kampf gegen Folter und für Rechte für Inhaftiere aufgenommen hat. Oder wie, ein besonders interessantes Projekt, das eines belgischen Mönchs, der Ratten darauf trainiert, Landminen zu finden und Tuberkulose zu erkennen.

Im Untertitel heißt der Film „Du machst den Unterschied“. Soll heißen: Er setzt auf die Personen, die hinter den Projekten stecken. Sie sprechen über ihre Motivation, über ihre Erfahrungen, ihr Engagement. Fast alle können einen Moment in ihrem Leben benennen, in dem sie aus der Gleichgültigkeit ausgebrochen sind und ihr soziales Engagement zum Beruf gemacht haben.

So interessant diese Menschen und ihre Ideen sind, so sehr steht der Film ihrem Anliegen im Wege. Die Autorin will ausdrücklich nicht nur ihr Thema behandeln, sondern die Zuschauer motivieren. Der Film hat die Struktur einer Moralpredigt und arbeitet hemmungslos mit Mitteln der Werbeästhetik. Bildklischees jede Menge. Gern fröhliche Menschen mitten im Elend, Kinder im Sonnenuntergang, peinliches Pathos in Musik und Sprache. Man wird mit Bekenntnissen und Behauptungen überschüttet. Dass z.B. das Prinzip der Mikrokredite durchaus auch seine problematischen Seiten hat, kommt nicht vor. Im Grunde verhält der Film sich zu den Köpfen der Zuschauer, wie die klassische Entwicklungshilfe zu den von ihr Bedachten: Er traut ihnen nichts zu. Er traut uns das Selberdenken nicht zu und will uns vor allem überreden.

„Who cares?“ kommt am 4.9. in die Kinos.

http://www.whocaresthefilm.com/

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